#Olgalesen – das Projekt rund um Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk

Der polnischen Schriftstellerin und Philosophin Olga Tokarczuk wurde der Literaturnobelpreis 2018 verliehen. Die Gespräche, Artikel, Diskussionen drehten sich aber größtenteils um den Preisträger des Folgejahres. Um dies zu ändern und ihre Werke und Intention gemeinsam öffentlicher zu besprechen, wird das Projekt #Olgalesen ins Leben gerufen – ein offener digitaler Austausch über alle sozialen Netzwerke hinweg, der aber auch offline gespiegelt werden kann.


Informationen zur Autorin:

Olga Tokarczuk (c) Lukasz Giza
Olga Tokarczuk (c) Lukasz Giza

Olga Tokarczuk wurde 1962 im polnischen Sulechów geboren. Sie studierte Psychologie in Warschau und lebt heute in Breslau. Sie zählt zu den bedeutendsten europäischen Autorinnen der Gegenwart. Ihr Werk (bislang neun Romane und drei Erzählbände) wurde in 37 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Für »Die Jakobsbücher«, in Polen ein Bestseller, wurde sie 2015 (zum zweiten Mal in ihrer Laufbahn) mit dem wichtigsten polnischen Literaturpreis, dem Nike-Preis, ausgezeichnet und 2018 mit dem Jan-Michalski-Literaturpreis. Im selben Jahr gewann sie außerdem den Man Booker International Prize für „Unrast“, für den sie auch 2019 wieder nominiert war. Ihr Roman „Der Gesang der Fledermäuse“ stand auf der Shortlist. 2019 wurde Olga Tokarczuk mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Ihre Bücher erscheinen in Deutschland aktuell im Kampa Verlag.


Informationen zum Projekt:

Auf allen Kanälen und Netzwerken wird ab sofort unter dem Hashtag #Olgalesen über Olga Tokarczuk, ihre Bücher und ihre Arbeit berichtet. Jede*r kann mitmachen, es gibt keine inhaltlichen Vorgaben. Wir freuen uns über Beiträge und Ideen von Leser*Innen, Buchhändler*Innen, Bibliotheken, Anfänger*Innen wie Fortgeschrittenen!

Beim Kooperationspartner mojoreads wird in einer Gruppe diskutiert, ebenso auf Facebook. Auf Instagram könnt Ihr in den Stories oder im Stream die Bücher posten, Fragen stellen oder Antworten geben, ebenso auf Twitter. Einfach stets den Hashtag #olgalesen verwenden und/oder mich markieren, damit ich die Beiträge finde und weitersagen kann. Ebenso gern den Kampa Verlag sowie die Kooperationspartner mojoreads und piqd. Ihr könnt aber auch offline Lesekreise dazu gründen oder in Euren bestehenden Austauschmöglichkeiten ihre Bücher integrieren. Wenn Ihr Artikel über sie findet, postet sie und nutzt den Hashtag. Sucht danach und beteiligt Euch an bestehenden Diskussionen oder startet selbst eine!

Kanäle Karla Paul: Instagram ++ Twitter ++ Facebook ++ mojoreads ++ piqd


Aktuelle Beiträge:

Elisabeth Mayer (Rheuma und Buch) liest „Die Jakobsbücher“ und bloggt darüber in mehreren Beiträgen: mehr lesen!

Hanne Wiesner (TraLaLit) widmet sich sehr ausführlich der Übersetzungsarbeit hinter „Die Jakobsbücher“ und interviewt dazu die Verantwortlichen Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein: mehr lesen!

Eliane Fischer (mint und malve) stellt das Projekt #Olgalesen vor und widmet sich „Gesang der Fledermäuse“ sowie dem Kinderbuch „Die verlorene Seele“.

 


Bücher von Olga Tokarczuk:

„Unrast“ (Startbuch) 

Noch nie wurde so viel gereist wie heute. Und doch hat sich das Reisen seine Poesie bewahrt. Aber was heißt es, in dieser rasenden Welt ein Körper in Bewegung zu sein? Nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit zu reisen? Da ist die Erzählerin, die unentwegt auf Wanderschaft ist, zu Fuß, im Auto, im Flugzeug und in Gedanken. Oder Eryk, den es als Fährmann in den hohen Norden verschlagen hat und der irgendwann mit seinen verdutzten Passagieren Kurs aufs offene Meer nimmt. Da ist der junge Mann, der langsam dem Wahnsinn verfällt, als Frau und Kind während eines Urlaubs plötzlich verschwinden, um ebenso plötzlich wieder aufzutauchen. Und schließlich Chopins Schwester, die ihren Bruder abgöttisch geliebt hat und nun sein Herz auf eine letzte Reise nach Warschau begleitet. »Unrast« ist eine Wundertüte voller Mythen, Bekenntnisse, Notizen und Gedanken über das Reisen, die Verbindung zwischen Leib und Seele, über Leben und Tod, Entwurzelung und Migration – ein Potpourri unterschiedlichster Geschichten, die alle einem geheimen Fahrplan folgen und eine gemeinsame Destination haben.

Originaltitel: „Bieguni“ + Aus dem Polnischen von Esther Kinsky + 464 Seiten + Gebunden + € (D) 24,– | sFr 32,50 | € (A) 24,70 + ISBN 978 3 311 10012 6 + auch als E-Book erhältlich

„Die Jakobsbücher“

Den einen galt er als Weiser und Messias, den anderen als Scharlatan und Ketzer. Eine der bedeutendsten Figuren des 18. Jahrhunderts ist er allemal: Jakob Frank, 1726 im polnischen Korolówka geboren, 1791 in Offenbach am Main gestorben. Als Anführer einer mystischen Bewegung, der Frankisten, war Jakob fest entschlossen, sein Volk, die Juden Osteuropas, endlich für die Moderne zu öffnen; zeit seines Lebens setzte er sich für ihre Rechte ein, für Freiheit, Gleichheit, Emanzipation. Tausende Anhänger scharte Jakob um sich, tausende Feinde machte er sich. Und sie alle, Bewunderer wie Gegner, erzählen hier die schier unglaubliche Lebensgeschichte dieses Grenzgängers, den es weder bei einer Religion noch je lange an einem Ort hielt. Es entsteht das schillernde Porträt einer kontroversen historischen Figur und das Panorama einer krisenhaften Welt an der Schwelle zur Moderne. Zugleich aber ist Olga Tokarczuks ebenso metaphysischer wie lebenspraller Roman ein Buch ganz für unsere Zeit, stellt es doch die Frage danach, wie wir uns die Welt als eine gerechte vorstellen können – ein Buch, das Grenzen überschreitet.

Originaltitel: „Księgi Jakubowe“ + Aus dem Polnischen von Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein (Dokumentation) + 1184 Seiten + Gebunden + € (D) 42,– | sFr 52,– | € (A) 43,20 + ISBN 978 3 311 10014 0 + auch als E-Book erhältlich

„Ur und andere Zeiten“

Das fiktive ostpolnische Städtchen Ur wird von den vier Erzengeln Raphael, Uriel, Gabriel und Michael bewacht und von den merkwürdigsten Gestalten bewohnt: der jungen Genowefa, dem verarmten Freiherrn Popielski, der sein Leben einem kabbalistischen Rätselspiel verschrieben hat, dem wilden Mann, der im Wald lebt, dem Wassermann Pluszez … Die Erzählung setzt im Jahr 1914 ein und begleitet die historische Entwicklung Polens durch das 20. Jahrhundert. Zugleich ordnet Olga Tokarczuk hoch poetisch und fantasievoll die Schicksale ihrer Figuren zu einem zauberhaften geschichtsträchtigen und zutiefst menschlichen Mosaik an.

Originaltitel: „Prawiek i inne czasy“ + Aus dem Polnischen von Esther Kinsky + 336 Seiten + Gebunden + € (D) 24,– | sFr 32,50 | € (A) 24,70 + ISBN 978 3 311 10018 8 + auch als E-Book erhältlich

 

„Taghaus, Nachthaus“ 

Nowa Ruda ist ein kleines schlesisches Dorf nahe der tschechischen Grenze. Als die Ich-Erzählerin in diese Gegend zieht, wo sich die Kulturen Polens, Deutschlands und der ehemaligen Tschechoslowakei treffen, beginnen sich wie magisch unterschiedlichste Geschichten zu vermischen, die des Mannes, der mit einem Bein in Tschechien und dem anderen in Polen stirbt und damit eine politische Krise auslöst, die Legenden der Heiligen, aber auch die Erlebnisse und Träume der Ich-Erzählerin selbst. Gemeinsam mit ihrer rätselhaften Nachbarin Marta sammelt sie all diese Stimmen und lässt ein vielstimmiges Echo des kollektiven Unter- und Überbewusstseins einer Gemeinschaft entstehen, in der sich die menschliche Existenz als solche spiegelt.

Originaltitel: „Dom dzienny, dom nocny“ + Aus dem Polnischen von Esther Kinsky + 384 Seiten + Gebunden + ISBN 978 3 311 10020 1 + auch als E-Book erhältlich

 

„Gesang der Fledermäuse“

Ein Dorf an der polnisch-tschechischen Grenze. Im Sommer tummeln sich hier wohlhabende Warschauer. In den Wintermonaten fliehen die meisten Einwohner das windumtoste Hochplateau im Glatzer Kessel. Die alleinstehende Englischlehrerin Janina Deszeijko widmet sich in den langen dunklen Tagen ihren astrologischen Studien und der Übersetzung von Gedichten des verehrten Willam Blake. Man hält die alte Dame für verschroben, wenn nicht gar für verrückt, auch weil sie die Gesellschaft von Tieren der von Menschen vorzieht. Dann gibt es einen Toten. Janinas ungeliebter Nachbar Big Foot ist grausam erstickt, in seiner Kehle steckt der Knochen eines Tiers. Und es bleibt nicht bei dieser einen Leiche. Janina hat einen starken Verdacht und ermittelt auf eigene Faust. Aber ist sie wirklich auf der richtigen Spur?
Komödie, Fabel, Thriller, politischer Essay, literarisches Spiel – dieser Roman passt in keine Schublade. Auf ebenso komische, wie erschütternde Weise zeigt Tokarczuk gemeinsam mit ihrer hinreißend-schrulligen Heldin, wie sehr es unserer Gesellschaft an Empathie und Respekt mangelt, ob unsere Mitmenschen oder der Natur gegenüber, und erzählt zugleich eine rasante Kriminalgeschichte reich an skurrilem Witz.

Originaltitel: „Prowadź swój pług przez kości umarłych“ + Aus dem Polnischen von Doreen Daume + 320 Seiten + Gebunden + € (D) 24,– | sFr 32,50 | € (A) 24,70 + ISBN 978 3 311 10022 5 + auch als E-Book erhältlich

„Die verlorene Seele“

Ein Mann arbeitet viel und sehr schnell. Da hat seine Seele Mühe, ihm zu folgen, und geht verloren. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als dem Rat seiner Ärztin zu folgen: Er muss warten – warten, bis seine Seele wieder bei ihm ist, ihn eingeholt hat. Und das kann eine Weile dauern.

Olga Tokarczuk erzählt eine berührende Geschichte über die Kraft der Geduld und der Erinnerung – und über unseren Umgang mit uns selbst. Wie mit einer zweiten Stimme wird der Text von Joanna Concejos geheim- nisvollen Bildern untermalt – ein eigenes Universum, das Träume und Phantasien weckt.

Die verlorene Seele erhielt u.a. den Bologna Ragazzi Award, den Preis des Internationalen Kuratoriums für das Jugendbuch (IBBY) und steht auf der Empfehlungsliste der Internationalen Jugendbibliothek (The White Ravens).

Originaltitel: „Zgubiona dusza“ + Illustration: Joanna Concejo + Aus dem Polnischen von Lothar Quinkenstein + 48 Seiten + Gebunden + 16,5 x 26,4 cm Durchgehend vierfarbig + ca. € (D) 22,– | ca. sFr 30,– | ca. € (A) 22,60 + ISBN 978 3 311 40001 1

„Die Nobelpreisrede“

Der Nobelpreis für Literatur wurde Olga Tokarczuk für ihre »erzählerische Vorstellungskraft« verliehen, die »mit einer enzyklopädischen Leidenschaft das Überschreiten von Grenzen als Lebensform symbolisiert«, wie die Schwedische Akademie im Oktober 2019 verkündete.

Die Autorin selbst erfuhr „unter den seltsamsten Umständen“ von ihrer Würdigung: auf der Autobahn zwischen Potsdam und Bielefeld, irgendwo im „Dazwischen, an einem namenlosen Ort“. Sie könne sich keine bessere Metapher für die Welt, in der wir leben, vorstellen, sagt die Preisträgerin: „Ich frage mich oft, ob es überhaupt noch möglich ist, die Welt zu beschreiben, oder ob wir ihrer zunehmend verflüssigten Gestalt nicht hilflos gegenüberstehen, der Auflösung fester Bezugspunkte und Werte.“

ca. 80 Seiten + Gebunden + ca. € (D) 16,– | ca. sFr 21,50 | ca. € (A) 16,50 + ISBN 978 3 311 10019 5 + auch als E-Book erhältlich

„Der Schrank“ 

Ein junges Paar sucht Zuflucht in einem Schrank und findet eine Gegenwelt zur eintönigen Wirklichkeit. Während seine Frau sich der Meditation widmet und hin und wieder etwas Leichtes zu essen kocht, spielt D. am Computer Gott, erschafft und vernichtet Menschen, bis schließlich rings um ihn alles aus den Fugen gerät. Was die Unordnung eines verlassenen Hotelzimmers über einen Menschen erzählt, das weiß das Zimmermädchen mit der rosa-weißen Schürze im Hotel Capital. Chaos erfährt auch die kleine Bankangestellte Krystyna, die im Traum wiederholt den Liebesschwüren eines gewissen Amos lauscht, bis sie sich schließlich auf die Suche nach ihm macht.

Liebe und Tod, Traum, Mythos und Wirklichkeit – die in diesem Band versammelten sieben Geschichten der polnischen Literaturnobelpreisträgerin erzählen von einer Welt, die uns in all ihrer Fremdheit doch immer vertraut ist: unser Unbewusstes.

Originaltitel: „Szafa Erzählungen“ + Aus dem Polnischen von Esther Kinsky + ca. 144 Seiten | Leinen | 11,8 x 18,5 cm + ca. € (D) 18,– | ca. sFr 24,50 | ca. € (A) 18,50 + auch als E-Book erhältlich

 

 

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