Melanie Raabe im Gespräch – Interview zum Thriller „Der Schatten“

Melanie Raabe ist müde, aber wie immer gut gelaunt oder eher vorfreudig unruhig. Endlich erscheint ihr neues Buch, nach „Die Falle“ und „Die Wahrheit“ Ihr dritter Roman – wir sind gemeinsam in Wien, um über den Thriller „Der Schatten“ zu sprechen und uns direkt zu den Handlungsorten zu begeben. Die Autorin wurde 1981 in Jena geboren, arbeitete viele Jahre als Journalistin und schrieb nebenbei Bücher, inzwischen ist sie hauptberuflich Schriftstellerin.

Nach zwei Tagen gemeinsamer Pressereise setzen wir uns nochmal im Hotelzimmer zusammen. Hier das komplette, ungeschnittene Interview – die Videofassung ist inkl. Leseprobe auf dem „Buchkolumne“ Instagram-Kanal im Highlight „Mel Raabe“ nachzusehen.


Karla Paul: Wir treffen uns hier in Wien, um über Dein neues Buch „Der Schatten“ zu sprechen – der Roman spielt in der Stadt, Du hast dafür an diesem Ort viel recherchiert und wir begeben uns auf die Spurensuche des Hauptcharakters Norah Richter. „Der Schatten“ ist Dein dritter Roman, Du wirst als Shootingstar der deutschen Kriminalliteratur gehandelt, Deine Bücher sind international verkauft und sogar für Hollywood-Filme optioniert. Wie fühlt sich die Veröffentlichung an? Bist Du inzwischen abgeklärter Profi oder sind die Tage rund ums Erscheinen mit ersten Leser_Innenrückmeldungen, Buchhandlungsbestellungen und Presseberichten für Dich immer noch aufregend?

Melanie Raabe: Ich versuche Profi zu sein bzw. mich wie einer zu verhalten, aber es ist trotzdem immer noch aufregend. Ich bin jedesmal aufgeregt, wenn ich Lesungen abhalte, wenn ich Interviews führe, das nutzt sich nicht ab. Es ist ja auch bei jedem Buch etwas anderes, mir liegt etwas daran und ich möchte, dass es für alle jedesmal neu gut funktioniert.

Karla Paul: Der Star Deines neuen Romans ist Norah Richter – die auch online auf Instagram und Twitter selbst verfolgt werden kann. Wer ist Norah, in welcher Lebensphase und wo treffen wir sie zu Beginn des Buches an?

Melanie Raabe: Norah ist Journalistin, Anfang Dreissig und kommt aus Berlin. Sie hat sich gerade frisch von ihrem langjährigen Freund getrennt und zieht für einen Job nach Wien. Sie fängt also einen neuen Lebensabschnitt an und ist da erst mal sehr alleine in einer Phase des totalen Umbruchs.

Karla Paul: Was für ein Typ ist Norah? Du schreibst generell über eher unbequeme, feministische Heldinnen. Erschaffst Du sie mit Absicht so oder entwickeln sie sich erst? Sind sie Dir bzw. Deinem weiblichen Umfeld ähnlich? Zudem ist die Auswahl von realistischen Frauenbildern in der deutschen Literaturbranche eigentlich unüblich, wenn auch natürlich wünschenswert, und es gilt auch als gar nicht einfach, solche Frauen beim Verlag durchzubekommen. Wie gestaltet sich da Eure gegenseitige Kommunikation bzw. Einflußnahme?

Melanie Raabe: Ich schreibe tatsächlich, was ich möchte, darüber was mir nahe steht, was mich in irgendeiner Form interessiert – sowohl was die Handlung, als auch die Auswahl der Charaktere betrifft. Es ist immer schwer zu sagen, wo genau welche Einflüße ihren Ursprung haben. Aber ich glaube durchaus, dass sowohl ich als auch meine Freundinnen so einer Frau sehr nahe sind. Norah hat Ecken und Kanten, sie ist taff und ebenso verletzlich. Mir ist wichtig, dass eine Figur mehrere Facetten hat und nicht nur wie Wonderwoman unrealistisch durch Wände geht. Ich möchte niemals, gerade im Spannungsbereich, einen gewissen Opfertypus kreieren, der dringend beschützt werden muss. Die Absprache mit dem Verlag war bisher nie Thema und stets positiv. Selbstverständlich besprechen wir Handlung und Figuren, aber ich treffe die finale Entscheidung und gerade meine Verlegerin (Regina Kammerer, btb) schätzt starke Frauenfiguren sehr!

Karla Paul: Es ist gar nicht so einfach, über „Der Schatten“ zu sprechen, aber nicht zu spoilern – denn bereits nach den ersten Seiten folgt eine Entwicklung der anderen, schnelle, harte Wendungen (Einwurf Melanie Raabe: „Ja, das ist so schwer! Ich weiß noch gar nicht, wie ich das bei Lesungen und Leserfragen machen soll!!“), was natürlich die Handlung sofort sehr spannend macht. Deswegen verraten wir hier gar nicht zu viel über die Entwicklungen und verweisen lieber auf die Leseprobe!

Norah ist also neu in Wien, es ist ein kalter Winter und für sie eine komplett andere Lebenssituation. Viele von uns können sicher nachvollziehen, dass sie die ersten Wochen von einem starken Unsicherheitsgefühl getrieben wird und sich vieles erst aufbauen muss. Auch die Jahreszeit wirkt hier noch zusätzlich auf sie ein. In diesem besonderen Umstand trifft sie eine Frau und erhält von ihr eine Prophezeiung:

Am 11. Februar wirst Du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten,

aus freien und mit gutem Grund.

Ob diese Vorwarnung eintrifft – dazu wollen wir natürlich aus dramaturgischen Gründen nichts verraten. Glaubst Du selbst an so etwas wie Schicksal?

Melanie Raabe: Nein, ich glaube nicht an Schicksal. Ich glaube daran, dass wir selbst viel mehr in der Hand haben, als wir oft denken und dass wir immer die Möglichkeit haben, unser Leben selbst zu gestalten bzw. etwas aus dem zu machen, was uns gegeben wird. Selbstverständlich gibt es unterschiedliche Lebenswege und Situationen, die uns an Vorstellungen hindern oder zumindest kurzzeitig aufhalten können. Sicherlich gibt es auch sehr viele Menschen, die es wesentlich schwerer haben als wir, gerade wenn wir aus unserer deutschen Filterbubble heraustreten.

Aber es gibt im Leben immer zwei Möglichkeiten: die Situation hinzunehmen und darin ein Ende der eigenen Pläne zu sehen und das Gegenbeispiel, die darin liegenden Chancen zu entdecken und sich eigene Wege heraus und zu den Zielen zu erarbeiten. Sich über die Umstände zu erheben, ist nie leicht – es braucht wahnsinnig viel Energie – aber für mein Empfinden und aus eigener Erfahrung hilft es, wenn man daran glaubt, dass es immer möglich ist. Ohne zu viel spoilern zu wollen, aber dieser Weg spiegelt sich hoffentlich auch in meinem Roman wieder.

Karla Paul: Du bist also jemand, der sein Schicksal lieber selbst in die Hand nimmt, so wie möglicherweise auch Norah Richter. Du giltst inzwischen als international beliebte und sehr gut verkäufliche Bestsellerautorin. Was viele aber nicht wissen, ist, dass Du über viele Jahre völlig erfolglos geschrieben hast. Es wird eher selten gesehen, dass Du den jetzt eingetretenen positiven Ernstfall, d.h. den Erfolg von Verlagsveröffentlichungen und deren Beliebtheit bei Buchhandel und Leser_innen, lange trainiert und erarbeitet hast. Stimmt es, dass in Deiner Schublade noch vier Romane liegen, die vorher keinen Anklang bei Verlagen fanden?

Melanie bei ihrer ersten Lesung aus „Der Schatten“ mit Moderatorin Antje Deistler / Fotograf: Ingo Winkelstroeter

Melanie Raabe: Das stimmt! Ich habe schon immer geschrieben, aber sehr lange gebraucht, um einen Verlag dafür zu finden. Zehn Jahre habe ich neben meinem Alltagsjob als Journalistin auch belletristisch geschrieben. Ich bin um vier Uhr aufgestanden, um Zeit für meine anderen Ideen zu haben. Es war ein sehr langer Weg bis heute und neben meinem Freund hat auch fast niemand mehr daran geglaubt, dass es mit der Schriftsteller_Innenkarriere tatsächlich irgendwann funktionieren wird. Beim ersten Buch denkt man sich noch motiviert, okay, es gab zwar eine Ablehnung, aber das Feedback war gut, hat es eben diesmal nicht geklappt, ich probiere es mit der nächsten Idee wieder. Dann wurde mein dritter Roman abgelehnt, das vierte Buch, es waren zehn Jahre später und man könnte nun aufgeben und glauben, das wird nichts mehr. Mein fünftes Buch war „Die Falle“ und damit mein angebliches Debüt, wenn wir nach Veröffentlichung gehen. Ich habe immer weiter an mich geglaubt und hätte auch immer weiter geschrieben. Man weiß nie, wann und weshalb es dann klappt – vielleicht sonst eben mit 70 Jahren und dem 89. Projekt. Deswegen muss ich immer so schmunzeln, wenn man mich als Shootingstar bezeichnet (was eigentlich gar nicht falsch ist, weil sich eben meine erste Veröffentlichung dann sofort sehr gut überall verkauft hat), aber bis dahin war es ein längerer Weg. Ich war sehr lange das Sorgenkind meines Agenten, das er weiterhin durchgeschleppt hat, weil wir beide daran glaubten.

Karla Paul: Also bist Du der Fall des berühmten Erfolgs über Nacht, für den Du über zehn Jahre lang tagsüber hart gearbeitet hast?

Melanie Raabe: Genau das, und das hat eben auch viele Vorteile. Ich habe inzwischen viele Routinen entwickelt, um meinen Schreiballtag zu gestalten, Ideen auszuarbeiten und vieles mehr. Ich weiß, wie ich mit Blockaden umgehen muss oder wenn es eben dann mal nicht gut läuft und konnte all dies abseits der Öffentlichkeit für mich entwickeln.

Karla Paul: Viele stellen sich nur mit dem Blick von außen die Arbeit einer Schriftstellerin als sehr spannend vor. Vieles, was Du auf Deinen Social Media Kanälen (LINKS) teilst, wirkt aufregend, Reisen wie Dein aktueller Aufenthalt in New York und der Austausch mit Filmagenten, Lesungen, Pressetermine. Ebenso spannend stelle ich mir aber die Recherche selbst vor, besonders im Hinblick auf folgendes, frisch erworbenes Wissen aus „Der Schatten“: ein Auftragsmord kostet 20.000 Euro, das Zertrümmern einer Kniescheibe ist bereits für 3.500 Euro zu erwerben. Sind das Schätzwerte oder wie und wo treibt sich Autorin Melanie Raabe herum, um an solche Informationen zu gelangen?

Fanart von Thalia Siegburg

Melanie Raabe: (Lacht.) Ich habe nicht persönlich mit Auftragskillern gesprochen!! Natürlich habe ich versucht, gesicherte Informationen wiederzugeben und dafür viele Interviews aus dem Kriminalbereich recherchiert und viele Gespräche mit ehemaligen Mafiamitgliedern gelesen. Ich fand ein sehr interessantes Interview, in dem ein ehemaliger Auftragskiller sagt, es wäre eine urbane Legende, für wenige tausend Euro einen Mord organisieren zu können, das wäre weit teurer. Wie sicher diese Information tatsächlich ist, weiß ich gar nicht. Trotzdem habe ich natürlich, wie wahrscheinlich viele Schriftstellerkolleg_Innen, die Sorge, dass irgendwann das BKA bei mir vor der Tür steht und mir eine Liste der Google-Anfragen vorhält. Ich suche ständig danach, wie man eine Leiche verschwinden lässt und weitere eher kriminelle Angelegenheiten, die gegen mich sprechen, aber mit meinem realen Leben wirklich nichts zu tun haben. (Schmunzelt erneut, möglicherweise kann man sich bei dieser Aussage nicht ganz sicher sein – Anmerkung der Redaktion.)

Karla Paul: Du bindest in Deinen Roman auch stets Themen ein, die Dir persönlich wichtig sind. Auf der einen Seite Heldinnen, die Dir nicht unähnlich und dafür stark, trotzig, selbstsicher, aber eben auch menschlich sind.

Einwurf Melanie Raabe:  Genau, die eben auch total viele Fehler haben! Ich finde es immer so schade, wenn eine Figur nur eine Sache sein, einen Weg gehen soll und keine Fehler machen darf, weil die Leser_Innen sie mögen müssen. Ich weiß gar nicht, ob man Norah Richter mag, aber ich finde sie eben dafür sehr interessant. Mir redet da aber auch niemand rein und sagt z.B. mach sie mal mehr likeable.

Karla Paul: Norah setzt sich im Alltag sehr für Toleranz ein. Sie ist sehr empathisch und hat ein gutes Gespür für Ungerechtigkeiten und greift dann gegebenenfalls ein (um hier die Brücke zum buchbaren Serienkiller für Kniescheibenzertrümmerung zu bauen). Ich weiß, dass Dir dieses Thema auch sehr wichtig ist. Du setzt Dich für z.B. Ärzte ohne Grenzen (LINK) ein und hältst dafür selbst Charitylesungen ab, warst auf der Seebrücke Demonstration (LINK) in Köln. Du kannst als Persönlichkeit viele Menschen mit Themen in Kontakt bringen, die mehr Aufmerksamkeit benötigen. Hältst Du das für Deine Verpflichtung als inzwischen berühmte Autorin bzw. ist das etwas, das wir aus Deiner Sicht alle verstärkt nutzen sollten?

Melanie Raabe: Ich glaube schon, das geht uns alle an. Ich habe damit nicht erst angefangen, als ich mehr Aufmerksamkeit erhalten habe. Für mich ist klar, dass ich es unheimlich gut habe. Wir leben in einem sicheren, lebenswerten Land – wenn wir uns mit vielen anderen Teilen der Welt vergleichen, sogar wie König_Innen. Ich finde es sehr wichtig, meinen Teil zur Gesellschaft beizutragen. Was mir möglich ist: ich versuche positive Energie zu vermitteln und im Rahmen meines Machbaren meinen Beitrag zu leisten, finanziell, zeitlich, aktivierend. Genau das kann jeder, egal welche Fähigkeiten man mitbringt. Aber wir können alle unseren Blick für das Machbare schärfen. Lasst uns alle da anfangen, wo wir gerade sind uns nicht einschüchtern & stattdessen lieber gegenseitig ermutigen lassen.

Karla Paul: Ein weiteres wichtiges Thema im Roman ist Kunst und Kreativität. Als Schriftstellerin lebst Du davon. Wie bindest Du diese neben aller Organisation, Recherche und den Terminen in Deinen Alltag ein, wie behältst Du den Fokus auf dem für Dich allerwichtigsten: dem Schreiben?

Fotograf: Jürgen Pletterbauer

Melanie Raabe: Genau, das ist meine sogenannte Kernkompetenz – ohne sie passiert gar nichts. Ich habe z.B. immer das Gefühl, dass ich selbst an einem Tag voller Recherche, Interviews, Lesungen, nicht gearbeitet habe, wenn ich nicht zum Schreiben gekommen bin. Ich versuche meine Schreibzeit zu schützen, indem ich möglichst als allererstes jeden Morgen schreibe bzw. in irgendeiner Form an meinem Text arbeite. Gerade bin ich zwischen den Büchern, d.h. ich spreche über das „alte Buch“ und sammel schon viele Ideen und Herangehensweisen für das „neue Buch“, d.h. sitze dann einfach über meinem Notizbuch und überlege mir Handlung, Charaktere und vieles mehr. Aber das muss ich früh zuerst machen und egal was dann im Lauf des Tages auf mich wartet oder hereinbricht, ich habe schon „geschrieben“ und das gibt mir immer ein sehr ruhiges, sicheres Gefühl für die restlichen Aufgaben. Natürlich gibt es auch Phasen, in denen das nicht klappt – wenn ich z.B. in der Nacht aufstehen und nach Wien fliegen muss. Dementsprechend plane ich mir das aber: also in diesem Fall ist der Juli für Pressearbeit, Marketing etc. reserviert und der August dann wieder komplett für die Arbeit am neuen Buch. Kreativität entsteht für mich, wenn wir den Brunnen, aus dem Worte, Ideen, Bilder stammen, immer wieder neu auffüllen. Dafür spreche ich mit vielen Menschen, bin gesellig, reise durch die Welt, öffne mich für Neues, sauge Einflüsse auf, unabhängig von „schön“ oder „hässlich“. Aber dann brauche ich auch wieder die Zeit und den Raum daheim und das Verarbeiten mit und für den Text. Ich kann gut allein sein und autark vor mich hinschreiben. Es ist ein beständiges Wechselspiel und im Idealfall finden wir unser eigenes Gleichgewicht. Wie wir hier in Wien sagen würden: „Irgendwie geht sich’s immer aus!“

Karla Paul: Liest Du auch selbst viel?

Melanie Raabe: Total! In Schreibphasen gestaltet sich das manchmal etwas schwierig. Ich lese sehr wenig im eigenen Genre. Das ist wie früher in der Schule – wenn Du einmal zum Nachbarn rübergespitzt und dessen Aufsatz gesehen hast, möchtest Du am liebsten seine tollen Ideen übernehmen und das Eigene verbrennen. Wenn man zu viele fremde Geschichten in den eigenen Kopf lässt, während man versucht, in der selbst entwickelten zu bleiben, das ist nicht gut. Deswegen lese ich viel Nonfiction. Aber wenn ich nicht gerade schreibe oder kreiere, fresse ich einfach alles in mich rein, was ich an Büchern nur finden kann. Ich lese viel und gern durchs Gemüsebeet!

Karla Paul: Hast Du aktuelle Lieblingsbücher – bzw. Autor_innen?

Melanie Raabe: Einer meiner absoluten Lieblingsautoren ist Jonathan Safran Foer und von ihm „Alles ist erleuchtet“! Ein ganz wunderbarer, sehr kunstvoller und rührender Roman, mit einer sehr spannenden Struktur. Zudem bin ich großer „Harry Potter“-Fan! Ausserdem lese ich sehr gern Biografien, z.B. von Marina Abramovic, einer sehr berühmten Performancekünstlerin, die auch in „Der Schatten“ zu finden ist. Oder auch Patti Smith mit „Just Kids“, über ihre Freundschaft zu Robert Mapplethorpe.

Karla Paul: Letzte Frage. Was sollte die bzw. der Leser_In aus Deiner Sicht empfinden, was sollte in ihm/ihr angestoßen worden sein, wenn sie „Der Schatten“ beendet?

Melanie Raabe: Puh, gute Frage. Ich glaube, im Kern – und das habe ich gar nicht so angelegt, das hat sich erst mit der Zeit entwickelt – geht es in meinem Roman um Gerechtigkeit. Einmal im großen, globalen Zusammenhang, weil es zu einer Zeit entstand, in der z.B. Präsident Trump gewählt wurde und man das Gefühl entwickelt hat, dass Werte wie Anstand und Respekt vielleicht nicht mehr so viel zählen, wie man es sich wünschen würde. Ich war tatsächlich aufgrund der politischen Entwicklungen sehr oft sehr wütend, als ich das Buch geschrieben habe und ich glaube, das merkt man auch ein bisschen.

Gerechtigkeit im Kleinen ist ebenfalls wichtig, wenn Menschen unfair behandelt oder gemobbt werden. Ich nehme mich aus der ganzen Negativität nicht aus, aber arbeite da sehr hart an mir. Das Leben ist hart genug, ohne dass wir gegenseitig noch härter miteinander sein sollten. Ganz zum Schluß geht es auch um Vergebung. Darum, dass eine wichtige Figur im Buch sich verzeiht und mit etwas abschließt.

All das greift ineinander und stösst hoffentlich an, dass man versucht im Rahmen der eigenen Möglichkeiten ein integerer Mensch zu sein und gerecht & fair mit anderen und sich zu sein. Ich schreibe zwar Thriller, aber möchte dennoch nicht, dass die Leser_Innen mit einem schlechten Gefühl aus dem Buch herausgehen. Ob mir das gelungen ist, müssen die Leser_innen entscheiden!


Informationen zum Roman „Der Schatten“:

„Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Aus freien Stücken. Und mit gutem Grund.“ Gerade ist die junge Journalistin Norah von Berlin nach Wien gezogen, um ihr altes Leben endgültig hinter sich zu lassen, als ihr eine alte Bettlerin auf der Straße diese Worte förmlich entgegenspuckt. Norah ist verstört, denn ausgerechnet in der Nacht des 11. Februar ist vor vielen Jahren Schreckliches geschehen. Trotzdem tut sie die Frau als verwirrt ab, eine Irre ist sie, es kann gar nicht anders sein – bis kurz darauf ein mysteriöser Mann namens Arthur Grimm in ihrem Leben auftaucht. Bald kommt Norah ein schlimmer Verdacht: Hat sie tatsächlich allen Grund, sich an Grimm zu rächen? Was ist damals, in der schlimmsten Nacht ihres Lebens, wirklich passiert? Und kann Norah für Gerechtigkeit sorgen, ohne selbst zur Mörderin zu werden?

416 Seiten / Klappbroschur / VÖ: 23.07.2018 / 16,00 Euro / als E-Book & Hörbuch erhältlich / ISBN: 978-3442757527

Verlagswebseite + Webseite Melanie Raabe

Kaufen:

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Die Bücher von Melanie Raabe sind als Printversion, E-Book sowie Hörbuch in allen Buchhandlungen deutschlandweit bestell- & erwerbbar.

Fragen Sie einfach beim lokalen Lieblingsbuchhandel nach diesem und vielen weiteren tollen Romanen!


In der August-Ausgabe der Autor_Innen-Zeitschrift „Federwelt“ ist ein weiteres, ausführliches Interview mit Karla Paul und der Bestsellerautorin Melanie Raabe über ihren Schreiballtag, Organisationsprobleme, Inspiration und die wichtige Zusammenarbeit mit Verlag und Agentur erschienen.

Das Heft kann sowohl einzeln als auch im Abo entweder im lokalen Zeitschriftenhandel oder aber auf der Federwelt Webseite erworben werden.

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