Kinderbuchtipp: „Die Ziege auf dem Mond“

„Es gibt genau zwei Gründe, warum wir bei Hanser so gerne Bücher für Kinder machen: Erstens sind das die Leser von morgen. Zweitens – und wichtiger – sind es die Leser von heute. Ich hätte mir meine Kindheit ohne Bücher nicht vorstellen können. Lesend pumpt man sich auf mit Möglichkeiten & Unmöglichkeiten. Letzteres übernimmt Stefans und Sophies höchst eigenwillige Mondziege aufs Liebenswerteste. Wie könnte man ihr kein Buch widmen?“
Jo Lendle / Verleger Hanser Verlage

Wer ist diese Ziege? Die Ziege lebt auf dem Mond, sie trägt gern der Stimmung entsprechende bunte T-Shirts und frühstückt Kaffee mit Spiegelei. Und vor allen Dingen lebt sie im „Jetzt“, sieht das Positive in ihrer Situation und freut sich an allem, was da kommt. Sie weiß, sie wird schon Wege finden, um damit umzugehen. Bis … ja, bis eines Tages auf einmal der dunkle Krater lockt, in den sie bisher alle Ängste und unangenehmen Erinnerungen geworfen hat, und ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang verspricht …

Die Hamburger Autoren Stefan Beuse und Sophie Greve haben mit ihrer namenlosen und dafür herzreichen Ziege eine außergewöhnliche und wortwörtlich wundervolle Heldin geschaffen. Unbekannt ist, wie genau sie eigentlich in ihre aktuelle Situation geriet, wie alt sie ist, was mit ihrer Familie geschah und viele weitere Fragen bleiben unbeantwortet – sie steht für mich und Dich und uns alle in eben jeder beliebigen Situation, wir sind im Prinzip alle gleich und doch für uns besonders.

„Manchmal muss man die Dinge nur ein bisschen im Kopf bewegen.
Nicht mal in echt.
Und schon ist alles anders.“

Um die Ziege herum erzählen Beuse & Greve eine philosophische Geschichte über Achtsamkeit, Mut und positives Denken, ausgeschmückt mit zauberhaften, bunten Illustrationen voll liebevoller Details. Eigentlich ist die Erzählung für Kinder gedacht (Vorlesealter oder aber Selbstleser ab circa 8 Jahre), birgt aber auch für erwachsene Leser_Innen viele Denkanstöße und Anregungen. Wie gehen wir mit unseren inneren Kratern um, können wir von der Ziege lernen? LESEPROBE (pdf)


 

Die Autoren Sophie Greve und Stefan Beuse

Angst vor Erinnerungen, Situationen, Menschen, Ereignissen – der Alltag birgt für uns alle kleine oder große Furchtbarkeiten. Aber was liegt eigentlich in den Kratern der Autoren so versteckt? 

Sophie: „Potential. Ich glaube, das ist es, was in den Kratern von uns allen liegt. Gut zugedeckt von den gefährlichen Dingen, die ich zum Beispiel, wie die Ziege, aus sicherer Entfernung hineingeworfen habe. Da wären zum einen die Geschichten, die ich mir selber erzähle. Über den Krater, über das Leben, über mich. Oder die Ängste, die mich davon abhalten, die Wahrheit zu sehen. Oder die Dämonen, deren Stimmen immer lauter als meine eigene erscheinen. Aber ab und zu muss man auch einfach mal machen, den Abstieg wagen und da unten aufräumen. Denn dann ist alles möglich. Alte Ziegenweisheit.“

Stefan: „Ich glaube, da unten wartet die beste Version von mir. Also die Person, als die ich gedacht bin. Und wie wir alle müsste ich da eigentlich mal hinabsteigen, um mir das anzusehen. Ohne Angst, ohne Urteile, aber voller Neugier. Um dann wieder hoch zu kommen und das zu leben, was ich da unten gesehen habe. Das klingt vielleicht einfach. Aber wie die Ziege schon wusste: Ganz unten im Krater ist das Aller-Allerschlimmste. Aber genau dem muss man sich stellen, bevor man wirklich sehen kann, wer man ist.“

„Während die Ziege in der Luft war und flog, 
hatte sie etwas gelernt,
das sie ihr ganzes Leben lang nicht mehr vergessen würde:
Wenn man vor etwas Angst hat,
ist das Allerschlimmste die Angst.
Angst aber verschwindet, wenn man einfach mal macht.
Also gibt es die Angst nicht wirklich.
Sie ist nur das, was man denkt oder sich vorstellt,
und hat nichts mit dem zu tun, was wirklich ist.“

© Sophie Greve

Nun bist Du, Stefan, bisher Erzähler von Erwachsenenliteratur und Du, Sophie, Kommunikationsdesignerin. Also keine ausgebildeten Ziegenerfinder. Ihr seid nie auf den Mond gereist, besitzt keinen Bauernhof mit Ziegenherde und Rucolafeldern und bitte seid ehrlich, Kinder seid Ihr auch keine. Wie kam es denn zum Kinderbuchprojekt?

Sophie: „Eigentlich wussten wir nur, dass es gut wäre, irgendwann etwas zusammen zu machen. Weil wir schnell gemerkt haben, dass wir in wichtigen Punkten sehr ähnlich ticken. Und es schade wäre, unsere Energien da nicht zusammenzuwerfen.“

Stefan: „Die Idee einer Ziege, die allein auf dem Mond lebt und glücklich ist, obwohl es nach normalem Ermessen überhaupt keinen Grund dafür gibt, wurde schnell zu einer Art Schwerkraft, einem Gefäß, das alle Teile versammelt hat. In dieses Gefäß hat jeder von uns am Anfang das reingeworfen, was ihm eingefallen ist.“

Sophie: „Wenn ich zum Beispiel gedacht habe: Auf dem Mond muss es Rucola und Spiegeleier geben, Sukkulenten und eine Teerezemonie, habe ich das aufgeschrieben und Stefan geschickt.“

Stefan: „Und ich hatte zu der Zeit eine Uhr, die um Viertel nach neun stehen geblieben war. Unsere Ideen haben wir so lange hin und her geschrieben, bis sich ein Gefühl für die Geschichte ergeben hat.“

Ziege: „Viertel nach neun ist ja eigentlich gar keine Zeit. Zumindest nicht auf dem Mond. Eine kaputte Uhr, die immer auf Viertel nach neun steht, erinnert dich nur daran, dass immer Jetzt ist, egal, wann und wie oft du auf diese Uhr siehst. Jetzt ist die einzige Zeit auf dem Mond, die wirklich zählt, alles andere passiert nur im Kopf. Du kannst dich an die Vergangenheit erinnern oder dir die Zukunft vorstellen, aber das einzig Wirkliche auf dem Mond ist das Jetzt. Deshalb ist Viertel nach neun die schönste Zeit der Welt.“

Sophie: „Manche Dinge wollte ich auch einfach nur drin haben, weil ich Lust hatte, sie zu malen. Und irgendwie hat trotzdem immer alles zusammen gepasst.“

© Sophie Greve

Stefan, deine Texte haben schon viele Preise gewonnen, allerdings bisher im Erwachsenenbereich. Inwiefern hast Du das Schreiben dafür verändert, um sowohl kleine als auch große Leser_innen gleichermaßen für die Ziege und vor allen Dingen deren Botschaft zu begeistern?

Stefan: „Das Schreiben passt sich ja immer der jeweiligen Geschichte an, da muss man gar nichts absichtsvoll umstellen, das passiert automatisch. Und egal, ob ich jetzt komplexe Romane oder Kinderbuchtexte schreibe: Am Ende merke ich, dass meine Themen immer ähnlich sind. Und dass ich „meine Botschaft“ in den Kinderbüchern viel klarer formulieren kann, gibt mir sogar die Freiheit, in den Romanen subtiler zu werden. Insofern schließen sich die „Gattungen“, wenn man das so nennen will, nicht aus, sondern helfen sich wechselseitig.“

Welche eurer Eigenschaften habt ihr der Ziege mitgegeben?

Sophie: „Ich bin gern alleine. Und auch unter jeder Menge Menschen, kann man sich manchmal wie die einzige Ziege auf dem Mond vorkommen. Dennoch: Niemand ist eine Insel. Ich habe mich immer gefragt, wie es wäre, wenn es jemanden geben würde, der das Alleinsein und sich in vollen Zügen genießen könnte. Also nicht nur in Form von stiller Meditation, sondern dauerhaft. Im täglichen Leben. Die Ziege war für mich immer so etwas wie mein Avatar in einer anderen Welt. Oder eben auf dem Mond.“

Stefan: „Das Trügerische an dem Buch ist ja, dass man das Leben gewissermaßen durch die Ziegenbrille betrachtet. Dabei hätte das arme Tier jeden Grund, schwer traumatisiert zu sein. Eigentlich fragt man sich beim Lesen ständig: Warum ist diese Ziege so glücklich? Sie hat gar nichts mehr und wirkt, als hätte sie alles! Und wie die Ziege habe auch ich eine Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass man sich oft dem Schlimmsten stellen muss, um über sich hinaus zu wachsen und wirklich glücklich zu sein.“


© Sophie Greve

Können wir ein bisschen loslassen von unserem hektischen Leben inmitten Lifestylestress, Kindererziehung, Karrierestreben und Instagramperfektionismus? Sollten wir nicht denen, die uns nachkommen, ein langsameres, erfülltes Leben wünschen, wertvoll im Augenblick und Leser_Innen, die jeder Situation so mutig wie möglich entgegen und für sich selbst eintreten? Es ist jedem zu wünschen und dieses Büchlein ein möglicher Ansatz, ein Buch für kleine und große Herzen, für Ziegenversteher und Lebenslieber und natürlich die, die das Glück suchen (und vielleicht längst draufsitzen)!

„Wenn die Ziege eins gelernt hatte auf dem Mond, dann war es das: Besser, du bist vorbereitet.
Und was war die beste Art, vorbereitet zu sein?
Sternenklar: Man stelle sich das Schlimmste vor,
was überhaupt passieren konnte,
und dann überlegte man,
wie man aus dem Schlimmsten das Beste machte.“

Verlagsinformationen zum Kinderbuch „Die Ziege auf dem Mond“:

Die Ziege lebt auf dem Mond – allein, aber glücklich. Jeden Tag landen Dinge auf dem Mond, die die Ziege neu benennen muss. Es sind hübsche und traurige Dinge, nützliche und gefährliche, aus denen sich die Ziege ihr Leben baut. Ganz ohne Zeitdruck kann sie dem Flüstern der Sterne lauschen und im Traum den Ozean schmecken. Bis etwas Großes im Mondkrater landet, das Geräusche macht und lebendig scheint. Etwas Geheimnisvolles, Schönes, das sich beim Darüber-Nachdenken verändert – und das den ganzen Mut der Ziege fordert. Ein Buch voller Wunder, das zeigt, wie reich, verrückt und poetisch das Leben ist – und ein philosophisches Abenteuer für Kinder und Erwachsene, die das Staunen nicht verlernt haben.

14 Euro / 72 Seiten / gebundene Ausgabe / VÖ: 23.07.18 / Hanser Verlag / ISBN: 978-3446260504

Verlagswebseite + DieZiegeaufdemMond.de – Seite zum Buch

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Die Bücher von Stefan Beuse und Sophie Greve sind als Printversion in allen Buchhandlungen deutschlandweit bestell- & erwerbbar.

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© Sophie Greve

 

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