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„Lebens- und Zukunftsplanung sind äußerst fremdbestimmte Prozesse.“*

Im Mai dieses Jahres erlitt der Autor dieses Satzes, Kai-Eric Fitzner (auf dem oberen Bild gemeinsam mit seiner Familie zu sehen), einen Schlaganfall. Blogger und Onlineaktivist Johannes Korten rief deswegen dazu auf, seine Familie durch den Kauf des Romans „Willkommen im Meer“ zu unterstützen und diese Aktion über den Hashtag #einBuchfuerKai weiterzuverteilen. Tausende Leser kauften den Roman (bis dahin im Selbstverlag veröffentlicht), der daraufhin auf Platz 1 der Amazon-Charts und in der nationalen Presse landete. Nun veröffentlicht der Droemer Knaur Verlag den Roman noch einmal neu und bringt ihn damit auch in den lokalen Buchhandel. Anlass genug um den Roman kurz vorzustellen und Johannes Korten einige Fragen zu #einBuchfuerKai zu stellen:


 

Karla: „Im Mai erlitt Kai-Eric Fitzner (der Autor des Romans) einen Tag vor seinem 45. Geburtstag einen schweren Schlaganfall und fiel ins Koma. Seine Frau Raja musste nicht nur mit dieser Katastrophe umgehen, sondern sich zeitgleich auch um die Kinder kümmern und versuchen den Ausfall des Haupternährers auszugleichen. Dies war für Dich Anlass genug um spontan die wunderbare Aktion #einBuchfuerKai zu starten. Welche Gedanken und Gefühle haben Dich damals dazu veranlasst?“
Johannes: „Es war einfach das Gefühl, einem liebenswerten Menschen und seiner Familie helfen zu müssen. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass eine Familie soviel Last auf einmal zu tragen hat. Hinzu kommt, dass ich aus dem eigenen familiären Umfeld weiß, welch Herausforderung eine solche Krankheit ist, da kann man Sorge um finanzielle Belange on top nun wirklich nicht brauchen. So wie ich Kai bislang kennenlernen durfte, bin ich sicher, er hätte sich ebenso engagiert.“
Ich weiß lediglich, dass ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit ein durch und durch erstrebenswerter, kraftspendender Zustand ist.*
Karla: „Innerhalb kürzester Zeit waren nicht nur sämtliche sozialen Netzwerke mit dem Hashtag geflutet und die Presse berichtete – das Buch ging auch auf den ersten Platz bei Amazon und Du sammeltest rund 13.000 EUR an Spenden ein. Du hattest einen wahren Lovestorm entfacht. Eigentlich ist genau das passiert, was Kai-Eric auch in seinem Buch beschreibt. Du bist sehr erfahren im Umgang in der Onlinekommunikation – hattest Du damit gerechnet?“
Johannes: „Es war wirklich ein Lovestorm, so wie Raja, Kais Frau, das in einem ihrer Dankes-Posts bezeichnet hat. Und es war auch Raja und nicht ich, die die Idee hatte, die Menschen zu bitten, Kais wunderbares Buch zu kaufen. Ich habe lediglich geholfen, ihr Anliegen auch auf Twitter zu verbreiten, weil ich weiß, dass auch Kai dort mit vielen Menschen vernetzt ist. Dass sich dabei das Hashtag als dermaßen glückliche Fügung herausstellen sollte, damit hatte ich nicht gerechnet. Natürlich habe ich gehofft, dass der Aufruf weiterverbreitet wird, aber dass sich die ganze Aktion dermaßen entwickelt, hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen.“
Am eigenen Leib zu erfahren, dass es Menschen gibt, die einen selbst lediglich als schmückendes Beiwerk ihres eigenen Lebens begreifen, ist ebenso schmerzlich wie befreiend. Schmerzlich, weil sich kaum jemand in der Rolle einer Illustration gefallen dürfte und einen die Erkenntnis, dass einem diese Funktion zugedacht wird, mit einer unguten Leere erfüllt. Befreiend hingegend ist es, dass niemand gezwungen werden kann, mit solchen Leuten seine Zeit zu verplempern.*
Karla: „Inzwischen ist das Buch vom Selbstverlag zum Großverlag Droemer Knaur gewechselt und erscheint nun offiziell als Taschenbuch im Buchhandel. Warum sollten es die Leser (nochmal) kaufen?“
Johannes: „Nun, sie sollten es kaufen und in die Welt tragen. Selbst lesen, verschenken. Als Urlaubslektüre, als Anregung, als Inspiration. Auch wenn „Willkommen im Meer“ schon fast zehn Jahre alt ist, ist sein Inhalt aktueller und relevanter als je zuvor. Es ist ein Buch davon, sich frei zu machen, Dinge neu zu denken, sich nicht mit den Dingen abzufinden. Es ist ein Buch darüber, nicht nur zu träumen, sondern seine Träume wahr werden zu lassen. Es ist ein Buch über Toleranz, über Gemeinschaft, über die Lust am Leben. Nichts brauchen wir angesichts der beklemmenden Nachrichten dieser Tage mehr als dieses humorvolle, ermutigende Buch. Deshalb sollten es die, die es noch nicht gelesen haben, erstmals kaufen, und die, die es gelesen haben, sollten es verschenken.“
Karla: „Wie geht es Kai und seiner Familie inzwischen? Hat ihre Geschichte ein Happy-End?“
Johannes: „Kai ist in diesen Tagen in eine wohnortnahe Reha verlegt worden. Es geht ihm langsam aber sicher besser. Vor ihm liegt noch ein schwerer Weg, aber er ist sehr kämpferisch und wird sicher nicht aufgeben, bevor er wieder ganz der alte Kai ist. Finanziell konnten durch die Buchverläufe bei Amazon, die großzügigen Zuwendungen der vielen Menschen im Netz und den tollen Vertrag mit Droemer Knaur die größten Nöte gemildert werden. Es ist also alles auf einem guten Weg, wofür ich allen, die daran mitgewirkt haben, sehr sehr dankbar bin. Danke auch dir an dieser Stelle!“
Johannes Korten und Karla Paul

Johannes Korten und Karla Paul

Johannes bloggt selbst in „Lebenslust und Leselust“ darüber, was und wie dieser Roman inkl. der Aktion ihn und seine Weltsicht verändert hat. Johannes und ich sind befreundet, nicht zuletzt ist auch dies ein weiteres positives Ergebnis von #einBuchfuerKai, es sollte an dieser Stelle vermerkt werden. Da ich aber grundsätzlich keinem Buch neutral gegenüber stehe und dementsprechend berichte, macht es eigentlich keinen Unterschied.

Vielen Dank an meinen Agenten Markus Michalek von AVA International, der sich von mir spontan überreden liess, den Roman an einen großen Verlag zu vermitteln sowie natürlich an Droemer Knaur selbst für die sehr schnelle und unkomplizierte Umsetzung! 

*Die hier grau hinterlegten Zitate entstammen dem Roman und passen unheimlicherweise sehr gut zu den Ereignissen und Emotionen rund um den schweren Schicksalsschlag. 

 


WillkommenimMeerZum Buch: Tim ist Lehrer mit Leib und Seele. Seine Mission: die Schüler zu ermuntern, nicht alle Dinge einfach hinzunehmen, sondern sie zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Mit seinem Lehrstil eckt er an seiner neuen Schule in Oldenburg gewaltig an. Dass er und seine Frau sich auch noch privat mit einigen Schülern anfreunden und einen verzweifelten Oberstufenschüler gar bei sich einziehen lassen, macht seine Situation nicht leichter. Bald droht man dem unkonventionellen Lehrer mit Berufsverbot. Doch auch wenn Tims Gegner mit harten Bandagen kämpfen – sie haben die Rechnung ohne Tims Familie und ohne seine Schüler gemacht … Leseprobe
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 Zum Autor: Kai-Eric Fitzner kam 1970 in Bremen zur Welt. Sein Frühwerk, die Geschichte vom geschenkgierigen Hasen, verfasste er im Alter von sieben Jahren und sorgte damit auf Omas Geburtstagsfeier für Furore. Auf die Schulzeit folgte ein geisteswissenschaftliches Studium, das Anfang des neuen Jahrtausends konsequenterweise in einer IT-Karriere mündete. Heute lebt er mit seiner Familie in Oldenburg und ist ein gefragter Vortragsredner. Im Mai 2015 erlitt er einem Schlaganfall und ist seitdem schwer erkrankt – inzwischen aber wieder auf dem Weg der Besserung.

„Willkommen im Meer“ von Kai-Eric Fitzner + Verlag Droemer Knaur + Taschenbuch und E-Book 9,99 Euro + ISBN: 978-3-426-51911-0 + 432 Seiten