Ende 2015 gründeten Autoren, Buchhändler und Lektoren eine neue Literatur-Vereinigung: das Phantastik-Autoren-Netzwerk P.A.N.e.V. unter der Leitung von Diana Menschig. Nach den weltweit erfolgreichen Büchern samt Verfilmungen von „Der Herr der Ringe“ sowie „Game of Thrones“ uvm. kam das Fantasy-Genre auch in Deutschland aus der Nerdecke heraus und erreichte den Massenmarkt. Die Phantastische Akademie verleiht bereits im 5. Jahr den „Seraph“ und die Holtzbrinck-Verlage Fischer (Tor) und Droemer Knaur veröffentlichen ab dem Herbst komplett neue Fantasyprogramme mit u.a. den Bestsellerautoren Markus Heitz und Kai Meyer. Doch weshalb braucht es dazu gleich auch eine eigene Schriftstellervereinigung und was passiert auf dem zeitgleich angekündigten Fantasy-Treffen in Köln? Diana Menschig erzählt im Interview von der Gründung sowie den kommenden Ideen und ihren eigenen Romanprojekten:


PAN Netzwerk

Du hast soeben gemeinsam mit anderen Autoren das „PAN – Phantastik-Autoren-Netzwerk e.V.“ gegründet, also eine Vereinigung für deutschsprachige Autoren bzw. Autorinnen aus dem Genre Fantasy und Science-Fiction. Wie kam es dazu – weshalb braucht es in Deutschland noch ein eigenes Schriftstellernetzwerk?

Autorin Diana Menschig

Autorin und PAN-Mitbegründerin Diana Menschig

Ganz persönlich habe ich immer ein wenig sehnsüchtig auf die Netzwerke der anderen Genres geschielt: Da gibt es Delia für die Liebesromane, HOMER für die historischen Romane und für den Bereich Krimi mit dem Syndikat und den Mörderischen Schwestern sogar zwei starke Gemeinschaften. Autorinnen und Autoren der Phantastik sind bisher nicht vertreten.

Wir haben über ein Jahr gebraucht, bis sich das jetzige Gründungsteam gefunden hat und wir sicher waren, dass wir es genau so und nicht anders machen wollen.

Welche Vorteile bietet euer Verein?

Neben der Aufmerksamkeit, die eine Vereinigung im Gegensatz zu einer einzelnen Stimme von der Öffentlichkeit bekommt, bieten wir die Möglichkeit zum Netzwerken innerhalb der phantastischen Literatur-Branche. Das Phantastik-Autoren-Netzwerk hat es sich auf die Fahnen geschrieben, kulturelle Veranstaltungen oder wissenschaftliche Arbeiten zu unterstützen, Nachwuchsautoren zu fördern und eine Anlaufstelle für Fragen rund um die deutschsprachige Phantastikliteratur zu sein.

Dabei ist uns wichtig, dass wir unseren Verein als Ergänzung verstehen und nicht in Konkurrenz zu bestehenden Strukturen treten werden. Wir vertreten die Sicht veröffentlichter Autorinnen und Autoren – dieser Fokus fehlt bei den bisherigen Angeboten.

Welche Bedingungen gibt es bei der Aufnahme?

Wir unterscheiden zwischen ordentlichem Mitglied und Fördermitglied. Ein ordentliches Mitglied muss volljährig sein, mindestens eine eigenständige Veröffentlichung eines phantastischen fiktionalen Werks bei einem Verlag vorweisen können und das im Original in deutscher Sprache.

Fördermitglied kann jede Person werden, die Freude an phantastischer Literatur hat und uns gerne unterstützen möchte! So sind zwei Mitgründer ein Buchhändler und ein Lektor, außerdem haben wir die erste Anfrage eines größeren Verlages.

Auf Eurer Webseite steht, dass Ihr keine Selfpublisher aufnehmt. Warum habt Ihr Euch zu diesem Schritt entschlossen, wo doch gerade dieser Bereich mehr und mehr Zuwachs erhält?

Da PAN e.V. ein gemeinnütziger Verein ist, den wir neben unseren eigentlichen Tätigkeiten auf die Beine stellen, sind unsere Ressourcen begrenzt. Im Vordergrund steht jetzt erst einmal der Aufbau des Phantastik-Autoren-Netzwerks.

Die verschiedenen Bedürfnisse der Mitglieder, Autorinnen, Autoren und Verlage unter einen Hut zu bekommen ist natürlich unser Hauptanliegen. Das betrifft auch die Frage nach den Self-Publishern oder auch Indie-Autoren. Die Diskussion während der Gründungsversammlung hat schnell gezeigt, dass wir Fragen nach den Aufnahmekriterien für Self-Publisher nicht befriedigend beantworten können.

Was ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen kann: Darüber, wann und wie schnell sich an den Bedingungen etwas ändert, entscheiden unsere Mitglieder. Da gibt es durchaus Befürworter, und das sind nicht nur „Hybridautoren“, also solche, die sowohl für Verlage schreiben, als auch Self-Publisher sind. Noch konkreter gesagt ist es keine Frage des „ob“, sondern des „wann“ und vor allem des „wie“.

Eine Mitgliedschaft kostet 60 Euro im Jahr – was macht Ihr mit dem Geld?

Der Mitgliedsbeitrag fließt vollständig in den Aufbau des Vereins und die Förderung seiner Ziele. Ob Webseite, Marketing oder Mietkosten für die Branchentreffen – gerade ein junger Verein, der noch keinen festen Stand in der literarischen Gemeinschaft hat, braucht zuallererst finanzielle Unterstützung. Außerdem ist der Beitrag auch eine Sicherheit – will ich wirklich Mitglied bei PAN werden?

Zu den ersten Ideen und Plänen gehört ein großes Fantasy-Branchentreffen am 21./22. April in Köln. Es wird an zwei Tagen Vorträge und Diskussionen geben, der gegenseitige Austausch steht im Vordergrund. Sind hier „nur“ Autoren oder auch z.B. Leser, Blogger und Verlagsmitarbeiter willkommen?

Fokus und Themenwahl sind an den Bedürfnissen unserer Mitglieder ausgerichtet, zum Beispiel die Frage, welche Schwerpunkte der Markt von uns erwartet, was Verlage für neue Vermarktungsideen haben oder was uns Social Reading bringt. Eine der Kernfragen, die uns immer wieder bewegt, ist die der Anerkennung der Phantastik seitens des Literaturbetriebs. Für diese Diskussion hast du als Literaturexpertin uns ja bereits die Teilnahme auf dem Podium zugesagt, worüber wir uns sehr freuen.

Aber das Treffen ist offen für alle und willkommen ist jede Person, die die Phantastik so liebt, wie wir! Und wer sich bis zum 28. Februar anmeldet, bekommt sogar einen Rabatt. Wir freuen uns auf regen Austausch.

Wie sehen Eure weiteren Pläne für 2016 aus?

Neben dem explosionsartigen Anstieg von Mitgliederanträgen meinst du?

Nein, mal im Ernst: Im Moment stehen alle Hebel auf Stufe „Branchentreffen“. Die Organisation, neben den stetig eintreffenden Mitgliedsanträgen, beansprucht im Moment unsere gesamte Zeit. Wir hoffen, dass wir im Laufe des ersten Halbjahres den Mitgliederbereich der Webseite aufgesetzt bekommen; dazu wird es 2-3 kleinere Aktionen geben, über die ich noch nichts verraten möchte.

Du bist selbst erfolgreiche Autorin und veröffentlichst bei mehreren Verlagen. Kommst Du aktuell überhaupt noch zum Schreiben? Falls ja, an welchen Projekten arbeitest Du gerade?

Genau, da war noch was… Im Moment steht das Lektorat des kommenden Romans an und die Vermarktung möglicher Nachfolgeprojekte. Ich habe seit zwei Monaten keine Romanzeile geschrieben – da ich im letzten Jahr aber ein ziemliches Pensum hatte, passt das alles. Mein Plan ist, spätestens nach dem Branchentreffen wieder mit einem großen Projekt zu beginnen.

Im August erscheint Dein neuer Roman „Ein Tal in Licht und Schatten“ unter dem Namen Marie Buchinger – worum geht es und weshalb hast Du Dich für ein Pseudonym entschieden?

Roman "Ein Tal in Licht und Schatten" von Marie BuchingerSchauplatz ist das Gadertal in Südtirol zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Damals war die Gegend ziemlich vom Weltgeschehen abgeschnitten, bis 1915 mit dem Kriegseintritt Italiens gegen Österreich die Front direkt vor der Haustür der Talbewohner verlief. Der Roman erzählt die Geschehnisse aus der Sicht von Elisa, der jüngsten Tochter eines wohlhabenden Bauern, für die nicht nur ihre Familie, sondern auch ihre große Liebe auf dem Spiel stehen – denn Vito ist Halbitaliener, weshalb für ihn die Frage, auf welcher Seite er kämpfen sollte, eine besondere Dimension einnimmt.

Das Buch ist ein Herzensprojekt, weshalb ich extrem gespannt darauf bin, wie es beim Publikum ankommt.

Unter Diana Menschig habe ich bisher Phantastik veröffentlicht und das wird auch so bleiben. Marie Buchinger wird für historische Romane stehen, deren Schwerpunkt auf Ereignisse der jüngeren Geschichte in der Habsburger Monarchie liegen.

Um am Schluss wieder zum Fantasygenre zurückzukehren – hast Du eine besondere Literaturempfehlung für alle Leser, einen wortwörtlich „fantastischen Buchtipp“?

Wie wäre es mit einem älteren Buch? Ich habe dieser Tage „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende auf dem Regal gezogen. Sich das Buch nur anzusehen macht bereits Spaß, die besondere Aufmachung, die zwei Schriftfarben, die Schnörkel und Initialen von A-Z – irgendwie hat mit diesem Buch eine Menge angefangen…


PAN Gründungsmitglieder

PAN-Gründungsmitglieder von links nach rechts, oben nach unten: Carsten Steenbergen, Dr. Frank Weinreich, Fabienne Siegmund, Alessandra Reß, Bernd Robker, Diana Menschig (Vorstand), Annika Weber (Vorstand), Bernhard Hennen, Laura Dümpelfeld, Jörg Bremser, Ju Honisch, Judith Vogt, Kai Meyer, Lena Falkenhagen (Vorstand), Dr. Christian Vogt; nicht im Bild: Vorstandsmitglied Laura Flöter