Buchkolumne 01/2015: Neujahrsvorsätze, Skriptorium und der E-Book-Dieb in meiner Timeline

Neujahrsvorsatz „Mehr lesen“ – macht mit bei der Goodreads Lesechallenge!

Goodreads Lesechallenge 2015Alles neu macht der Januar – zumindest wenn es um unsere Vorsätze geht. Neben beruflichen Wünschen wollen wir oft mehr Sport machen oder das seelische Wohlbefinden verbessern. Solltet Ihr in 2015 auch mehr lesen wollen, dann hat die weltweit größte Literaturcommunity Goodreads für Euch seine jährliche Lesechallenge gestartet. Dort könnt Ihr Fortschritte tracken und je nach Geschmack verschiedene Vorsätze gemeinsam mit anderen Lesern diskutieren.

Falls es Euch um mehr Abwechslung im neuen Jahr geht, dann hat Buchszene auf Facebook eine Grafik mit Vorschlägen zusammengestellt. Wie wäre es denn mal mit einem Klassiker, einem Buch mit Magie und dem Geheimtip Eures Buchhändlers?

Gemeinsam kann man Vorsätze viel besser einhalten. Seht doch einmal nach, ob es in Eurer Nähe nicht vielleicht einen Lesekreis gibt oder fragt den Buchhändler Eures Vertrauens danach. So kommt man mit Literatur in Kontakt, die man allein evtl. nie in Betracht gezogen hätte, und kann sie gemeinsam mit anderen Lesern diskutieren!

endofpowerAuch Mark Zuckerberg (Gründer von Facebook) hat sich vorgenommen, dass er 2015 jede Woche ein Buch lesen und mit der Community diskutieren möchte. Wer dabei sein will – es gibt extra dafür die Fanpage „A year of books“ und als erster Titel wurde von ihm der Sachbuchtitel „The End of Power“ von Mosés Naim ausgewählt. Gründet er damit gleichzeitig den weltweit größten Lesekreis? Sicher ist, dass seine Bücher alle auf der Bestenliste landen werden und er viele Menschen weltweit zum Lesen animiert! Tolle Sache!


Skriptorium – Crowdfunding für das Spiel rund um den besten ersten Satz!

Wer selbst einmal Autor werden bzw. es wenigstens schon mal spielen möchte, der kann via Crowdfunding auf Startnext das Spiel Skriptorium unterstützen:

Skriptorium, in diesem Spiel wirst du zum Autor von Anfangssätzen zu unterschiedlichsten Büchern. Du trittst in Konkurrenz zu dem originalen „ersten Satz“ des Buches und den Satzerfindungen deiner Mitspieler. Überzeugst du deine Gegner davon, dass dein erfundener Anfangssatz das Original des Buches ist, wirst du punkten. Kannst du niemanden mit deinen Schreibkünsten täuschen, rettet dich dein Instinkt für den Originalsatz des echten Autors. So kannst du Punkte sammeln und auf dem Spielfeld vorrücken.

16.000 Euro werden insgesamt benötigt und Ihr könnt Euch mit jedem beliebigen Beitrag beteiligen – für 49 Euro könnt Ihr das Spiel direkt erwerben. Wem Scrabble inzwischen langweilig geworden ist, der findet hier bestimmt eine kreative Alternative:

Immer noch Geld übrig? Im Bereich „Literatur“ gibt es auf Startnext noch viele weitere tolle Projekte rund ums Buch, die Eure Unterstützung brauchen!

Zum Beispiel könnt Ihr dort auch ein Jahres-Abo für den Indie-Digitalverlag mikrotext abschließen. Ihr bekommt für 15 Euro alle drei Monate den jeweils neuen Titel per Email zugeschickt und für mehr Geld könnt Ihr Euch dazu noch passende Goodies zu den Inhalten aussuchen. Verlegerin Nikola Richter begründet den neuen Weg:

mikrotextaboEin mikrotext-Abonnement stärkt die Arbeit einer der innovativsten Verlagsneugründungen und fördert neue Literatur. Das mikrotext-Abo richtet sich an alle neugierigen, vorwärtsdenkenden Leserinnen und Leser, die daran glauben, dass Literatur und das Digitale ausgezeichnet zusammenpassen. Und dass das E-Book kein Hardcover-Doppelgänger sein muss. Dass das E-Book eine Produktionsgeschwindigkeit und eine literarisch-formelle Offenheit ermöglicht, die Printverlage (noch) nicht bieten können.

 

Digitales Verlegen zeichnet sich nicht nur durch neue Veröffentlichungsformen aus, Autoren und Verleger nutzen auch andere Wege um die Inhalte an den Leser zu bringen. Die bisherigen Titel des Verlags zeugen von viel Leidenschaft und Literaturvielfalt und können vielleicht/hoffentlich auch Euch begeistern! Jetzt mikrotext unterstützen!

Dazu der Tweet der Woche von Autorin Cornelia Travnicek:

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Grant Snider Comic – Alternative Lesezeichen

Wem wie bei mir sämtliche Lesezeichen innerhalb von Sekunden geheimnisvoll ins Nichts entfliehen (dahin, wo die einzelnen Socken leben), dem bietet Zeichner Grant Snider hier einige Alternativen:

Bookmarks


 

Zehn Höhepunkte von Amazon in 2014

Schon seit Jahren ist Amazon nicht mehr nur weltweiter Lieferant für Produkte – inzwischen ist der Konzern auch selbst zum erfolgreichen Produzenten von Büchern und Filmen geworden. Für vieles wird das Unternehmen immer wieder kritisiert und regelmässig kommt es zu Negativschlagzeilen bezüglich der dortigen Arbeitsbedingungen. Trotzdem kann /muss man viele Innovationen und Erfolge bewundern und Goodereader.com hat nun zehn Schlagzeilen aus 2014 hervorgehoben. Sie feiern zum Beispiel den Kindle Voyage als besten E-Reader, der jemals hergestellt wurde:KindleVoyage

The Kindle Voyage is widely considered the best e-reader ever made. It has the highest resolution e-paper screen in the world and the PPI is unparalleled. It has buttons built into the bezel, an ambient light sensor and employs a new hybrid magnesium alloy. This not only makes the e-reader lighter than previous iterations, but prevents scuffs and fingerprints. Family Sharing allows you to share purchases with your friends and family.  

Auch die von Amazon selbst produzierten „Originals“ Serien gefielen dem Publikum und neben der geplanten Möglichkeit der Drohnenlieferung kann man in Amerika mit Aufpreis „Same Day Delivery“ nutzen und mit Lieferung nur wenige Stunden nach Bestellung der Ware rechnen. Ebenso ging im Herbst auch Kindle Unlimited an den Start und bietet den Lesern neben Skoobe und Readfy eine weitere E-Book-Flatrate im deutschsprachigen Raum. Bisher zeigen sich die großen Autoren und Verlage hier aufgrund der geringen Einnahmen eher weniger begeistert und neben Bastei Lübbe ist nur Gräfe und Unzer als Publikumsverlag mit einigen Testbüchern dabei.


Quellcode der Bücher – die FAZ über intelligente Schreibsoftware

Es ist der Albtraum aller Autoren und wahrscheinlich die Wunschvorstellung von Jeff Bezos – eine Software schreibt aufgrund von zuvor gesammelten Daten die idealen und bestverkäuflichsten Bücher und das ohne Garantiehonorar, Ansprüche und Befindlichkeiten. Doch wie wahrscheinlich ist diese Vorstellung eigentlich und würde der Leser einen Unterschied merken? Die FAZ hat sich dem Thema angenommen und berichtet in „Quellcode der Bücher“ über den aktuellen Stand der Technik.


Der Dieb in meiner Facebook-Chronik – Lesen.net über illegale Up- und Downloads

Illegale Plattformen für E-Book-Downloads bereiten der Buchbranche große Probleme und fast jeder Autor hat sich schon darüber geärgert, dass seine Bücher auf den gängigen Börsen kostenlos erhältlich sind. Die verschiedenen Parteien diskutieren meist sehr emotional und auch mir fehlt als Angestellte der Buchbranche jegliches Verständnis. Einen erneuten Auftrieb bekam die Diskussion über Weihnachten. Leser tauschten in einer geschlossenen Facebook-Gruppe E-Books, die sie zuvor bei Autoren als Leseexemplare oder bei Gewinnspielen erhalten hatten und waren somit den Schriftstellern selbst übers Internet persönlich bekannt. Selfpublisherin Poppy J. Anderson hat dies entdeckt und nimmt auf Lesen.net Stellung zu den aktuellen Vorfällen und bedauert darin vor allen Dingen den Vertrauensbruch.

Auch Autorin Claudia Toman schrieb sich in „Geiz ist peinlich“ ihren Frust vom Herzen – ihr ging es allerdings darum, dass Leser immer weniger für Bücher bzw. E-Books bezahlen wollen:

Ich höre von allen Seiten, dass ein Preis von 2,99 für einen Roman im E-Book derzeit der höchste Richtwert ist. Was mehr kostet, kauft niemand. Ich sehe es auch selbst. Meine Verlags-E-Books kosten über 8,00 Euro. Die beim E-Book-Label auch noch stolze 4,99. Und sie verkaufen sich nicht. Folgen Sie bitte mal kurz meinem Gedankengang: Gehen Sie gern zu Starbucks? Ja? Ich gehe sehr gern zu Starbucks. Was kostet dort ein Kaffee? Ich hab noch mal für Sie nachgeschaut: Einen mittleren Americano oder Filterkaffee gibt es grade noch für 2,90. Ein großer Latte oder Cappuccino kostet 3,95. Ein Caramel Macchiato 4,80. In zehn Minuten ist der ausgetrunken. An einem Buch lesen Sie viele Stunden. Sie können es sogar öfter lesen. Vorlesen. Draus zitieren. Damit angeben. Der Autor hat viele Monate dran geschrieben. Aber drei Euro sind Ihnen zu viel dafür? Ich frage nur. Im Kino war ich auch neulich. Zwölf Euro für zwei Stunden Unterhaltung. Noch etwas Cola und Popcorn dazu und der Abend kostet über zwanzig Euro. Aber ein Buch um drei Euro war zu teuer, richtig?


Wie aus Paul Auster ein Schriftsteller wurde

Wenn man Paul Auster liest, dann findet man in seinen Geschichten in (fast) jedem Satz einen eigenen Schatz. So ging es zumindest mir mit seiner New York Trilogie. Er selbst sagt über sich, dass er an guten Tagen eine Seite schreibt, zwei Seiten sind überragend und drei ein Wunder. Mehr über seine Arbeit als Schriftsteller erzählt er in diesem Video:

Wer selbst Autor ist, dem sei diese Liste von 13 Facebook-Seiten für Schriftsteller empfohlen. Hier gibt es Inspiration, fachliche Tipps und Motivationsanregungen: 13 great Facebook Fanpages for writers


Happy Birthday – zum 5. der edition fünf und zum 70. von Rüdiger Safranski

edition-fuenf-logoFünf Frauen gründeten einen Verlag und nannten ihn edition fünf. Das war vor fünf Jahren und inzwischen glänzen sie mit einem kleinen und feinen Programm mit bemerkenswerter Frauenliteratur – die aber selbstverständlich auch jedem Mann ans Herz zu legen ist:

Jeden Herbst schnüren wir ein Fünferpaket aus bekannten und unbekannten Titeln, die allzu schnell vom Markt verschwunden sind oder denen wir mehr Beachtung wünschen, Lieblingsbücher, die unbedingt lieferbar sein sollten: eigensinnige, sinnliche, kluge Bücher, Werke deutscher Autorinnen und deutsche Übersetzungen von Autorinnen aus aller Welt.

 

 

Zu diesen Autorinnen gehören z.B. Silvia Platz und Iris von Arnim. Das Abendblatt berichtet ausführlich über den Verlag und das Jubiläum und schreibt von einer „literarischen Trüffelsuche voller Sachverstand und Herzblut“.

Autor, Philosoph und Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski wurde am 01. Januar 70 Jahre alt und die FAZ gratuliert:

Safranski ist ein feiner Stilist. Dazu gehört auch Zurückhaltung in den Disziplinen Psychologisierung, Belehrung und Fußnoten. Die Mühen wurden belohnt, zahlreiche Preise haben in ihm einen idealen Träger gefunden;

 

 

Als Einstieg in sein Werk empfehle ich „Goethe & Schiller – Geschichte einer Freundschaft“ aus dem Hanser Verlag.


Autorin Nina George – ihr Jahresrückblick

Fotograf: Maurice Kohl
Fotograf: Maurice Kohl

Im Buchmarkt schreiben verschiedene Teilnehmer der Buchbranche über das Jahr 2014 und so auch Schriftstellerin Nina George. Sie schreibt nicht nur viel und erfolgreich, sondern setzt sich auch beständig für die komplette Autorenzunft ein und scheut dabei keine direkte Auseinandersetzung. Ich stimme ihr oft zu und so auch hier:

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Wie Autoren und Autorinnen arbeiten und wie sie das aushalten, zwischen Schöpfen und Erschöpfung, Risiko und Lust, Geldnot und Freiheit. Alle reden immer nur über Preise und Kosten. Aber keiner übers Machen. Ich will mehr übers Machen lesen.

 


 

Ich will nicht nur mehr übers Machen lesen – ich will vor allen Dingen, dass wir tatsächlich handeln. Schreibt, lest, engagiert Euch! Kauft Bücher im lokalen Buchhandel und sorgt dafür, dass die Branche erhalten bleibt und Eure Lieblingsschriftsteller weiterhin vom Schreiben leben können! Sagt es allen weiter, wenn Euch Bücher gefallen. Seid begeistert! Lasst uns 2015 zu einem fabelhaften Literaturjahr machen!

Bis nächste Woche,

Eure Karla

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5 comments

  1. Danke für diese schöne Zusammenstellung. Ich muss gleich mal jede Menge links nachlesen.

    Dadurch, dass ich im Ausland lebe, sind für mich natürlich ebooks besonders interessant. Ich würde mir wünschen, dass man es mir beim Einkaufen in kleineren shops ebenso leicht macht wie Amazon – ich habe mir absichtlich einen reader für epub gekauft, stelle aber fest, dass das für mich bisweilen doch Nachteile hat. Ich unterstütze nämlich auch lieber kleine Buchhandlungen.

  2. Danke für die schöne Zusammenstellung!

    Eine kleine Korrektur wäre notwendig, denn Hr. Zuckerberg wird nicht jede Woche ein neues Buch lesen.
    Zitat von der verlinkten FB-Seite: „We will read a new book every two weeks and discuss it here.“

  3. Danke für diese tolle Zusammenstellung, Karla! Freue mich auf weitere .. so behalte auch ich etwas den Überblick und entdecke etwas Neues. Viele Grüße

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