Karla beantwortet: 39 Blogfragen für Buchblogger

Der Journalist und Literaturkritiker Stefan Mesch rief auf seiner Webseite dazu auf, dass Literaturblogger folgende Fragen beantworten und damit ein bisschen mehr über sich verraten. Here we go – 39 Antworten und über ein Dutzend Buchempfehlungen:


 


KarlaPaul_Buchblog

01. Das Lieblingsbuch meiner Mutter:

Wann schafft endlich mal jemand den Begriff „Lieblingsbuch“ ab? Wer kann sich denn für ein Buch entscheiden und warum müssen wir das eigentlich? Meiner Mutter geht es da wie mir und sie hat verschiedene Bücher gern gelesen – z.B. „Nicht ohne meine Tochter“ oder auch das von mir empfohlene „Drachenläufer“ von Khaled Hosseini sowie „Das karmesinrote Blütenblatt“ von Michel Faber. Sie versinkt gern in Geschichten, Schicksalen und lässt sich dann von fremden Erlebnissen, Charakteren umarmen.

02. Das Lieblingsbuch meines Vaters:

Mein Vater ist ein Freund weniger Worte und dementsprechend schätzt er es auch in der Literatur. Grundsätzlich liest er eher Sachbücher, meist aus dem wirtschaftspolitischen Bereich.

03. Ich führe einen typischen Buchblog, weil…

… ich nicht anders kann? Ich bin damals über das Studium zum ersten Onlineprojekt rund um Literatur gekommen und stieß auf tausende Leser, die sich im Internet über Bücher austauschen. Hier erreiche ich all die Bibliomaniacs, völlig unabhängig von Zeit und Ort und bekomme sofortige Rückmeldung auf meine Beiträge, Tweets, Statusupdates rund um die schönste Nebensache der Welt: Lesen. Auf meiner Webseite kann ich alles dazu versammeln, Buchtipps, Interviews und Kolumnen. Ob er typisch ist, das weiß ich nicht (was ist ein typischer Buchblog, Stefan?) – er wächst seit Jahren mit mir mit, ich baue ihn um, finde mal mehr und mal weniger Zeit dafür. Es ist mein digitales Zuhause.

04. Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

… ich mich sowohl für bunte Belletristik als auch stilistisch einzigartige Literatur, für die Triebe der Buchbranche als auch die Hintergründe der Autoren und Verlage interessiere und darüber berichte. Deswegen bin ich nicht unbedingt anders, vielleicht eher vielseitiger.

05. Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

… ich mit meiner Leseleidenschaft niemals allein bin. Nicht nur die Literatur an sich bietet ein Zuhause, auch die sich dafür begeisternden Menschen sind für mich on- als auch offline zu guten Freunden geworden und davon finden sich täglich mehr. Das hat mich am Anfang überrascht und motiviert mich täglich.

06. Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Persönliche Buchtipps der Buchhandlung Sievert in Dülmen

Persönliche Buchtipps der Buchhandlung Sievert in Dülmen

Sie helfen beim Kauf (der dadurch die Branche unterstützt) und der grundsätzlichen Orientierung zwischen all den Millionen Büchern. Oft sind diese nur einer von vielen Gründen für oder gegen ein bestimmtes Buch und Fluch und Segen für die Autoren, aber damit hat jeder Leser eine Stimme. Sehr hilfreich ist der Vermerk „verifizierter Kauf“. Amazon selbst ist polarisierend und beeinflusst mit seiner Marktmacht immer mehr die Literaturbranche. Dies muss man nicht verfluchen, man kann es da nutzen, wo es unbedingt notwendig ist und ansonsten die oft mit viel Liebe und Leidenschaft geführten Buchhandlungen vor Ort aufsuchen – dort gibt es nämlich auch persönliche Buchtipps!

07. Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

Literaturkritik, Buchbesprechungen, Rezensionen helfen immer. Im Idealfall empfehlen sie uns Bücher, Autoren, auf die wir sonst nie gestoßen werden. Sie berichten über Hintergründe, setzen sich mit dem Stil und dem Werdegang des Buches auseinander, führen uns auf eine ganz andere Ebene. Je mehr über Literatur gesprochen und geschrieben wird, desto mehr wird hoffentlich auch gelesen. Über das „wie“ kann man sich streiten, die Notwendigkeit ist klar: wir benötigen bei knapp 100.000 Neuerscheinungen pro Jahr Orientierung und diese kommt über den Buchhandel, Blogger, Journalisten, Sendungen und über das persönliche Umfeld. All dies sollte eine gute Mischung sein und die Literaturkritik ein wichtiger Baustein.

08. Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Ich mache zwischen der klassischen Literaturkritik und Buchblogs keinen Unterschied – verschiedene Medien und Autoren schreiben über Literatur und ich setze mir über das Internet meine Auswahl als Filterbubble zusammen. Die oft sehr persönlichen Empfehlungen der Blogger sind dabei ebenso wichtig wie die meist sachlicheren Bewertungen der Literaturkritik und beide für mich als Leserin gleichwertig notwendig für die tägliche Entscheidung für oder gegen ein Buch. Zudem sind die Menschen hinter den Blogs inzwischen zum größten Teil zu persönlichen Freunden geworden und der Austausch geht weit über die Bücher hinaus. Ein Punkt mehr für das „sozial“ in „soziale Netzwerke“.

09. Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Das war der ursprüngliche Grund, weshalb ich mit dem Bloggen angefangen habe. Oft werden Witze über die Nerds gemacht, die tage- und wochenlang nur mit Büchern im Bett liegen und alles um sich herum vergessen und mit mehr Charakteren als normalen Menschen befreundet sind. Hello, that’s me! So bin ich aufgewachsen und deswegen war das Internet mit all seinen Möglichkeiten der kurzfristigen Vernetzung eine wahre Entdeckung. Seit vielen Jahren lebe und arbeite ich in der Literaturbranche und inzwischen hat es sich umgedreht – ich kenne eigentlich kaum mehr Menschen, die nicht irgendwie etwas mit Büchern zu tun haben. Aber dieser Büchernerd, der bleibt man im Herzen trotzdem und so brauche ich regelmässig meine Wochenenden ohne menschliche Kontakte, tief vergraben in Texten!

10. Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:

Mein Geschmack ist nicht einfach einzuordnen, ich lese ungern in Schubladen und will jederzeit offen für Neues bleiben. Ich fühle mich eher im Spannungsbereich als in der Romantik Zuhause und lese gern Sachbücher, ebenso wie aktuelle Literatur von Nachwuchsautoren oder Phantastisches. Weniger kann ich mit Kinder- und Jugendbuchliteratur anfangen, wieder mehr dafür mit Büchern über das Verrückte, die Andersartigkeit, oft auch die Schwere der Menschheit. Im Idealfall überrascht mich ein Buch, es weiß mich schnell zu fesseln und selbst sachliche Inhalte sollten auf eine gewisse Art so unterhaltsam gestaltet sein, dass ich schwere Themen leichter verstehe. Man kann Bücher nur sehr schwer miteinander vergleichen, eine Cecelia Ahern ist für eine andere Leserschaft gedacht als der neue Kehlmann – jeder sollte aber in seinem Bereich das Beste geben, unterhaltsam und klug schreiben, den Leser fordern und fördern. Die wirklich guten Bücher lassen mich über Tage nicht los, ich muss stetig wie frisch verliebt an sie denken, mag nicht aufhören und dennoch auch nicht fertig werden. Literatur kann unser Leben verändern, manches mal auch nur für wenige Stunden und dennoch sollten wir uns stets sicher sein, dass wir mit diesem einen Buch nicht unsere kostbare Zeit verschwenden. Dafür gebe ich 50-100 Seiten, danach ist jede Chance vertan.

11. Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Leser. Autoren. Verlagsmenschen. Menschen, die über Google auf diese Seite stoßen oder denen ein Link in die Facebook-Timeline gespült wurde. Menschen, die mich im Fernsehen gesehen oder einen Artikel von mir gelesen haben und nun mehr suchen. Aber ich schreibe für keine bestimmte Zielgruppe, sondern so, dass es mir auch nach zehn Jahren immer noch Spaß macht. Ich verändere mich stetig und meine Seiten ebenso, dementsprechend wahrscheinlich auch die Leser, viele sind mir aber schon sehr lange treu – ebenso wie ich mir selbst und das ist für mich am wichtigsten.

12 Habe ich Vorbilder?

Nein. Ich sammel mir im Alltag gute Eigenschaften von tollen Menschen, die mir nahe sind. Von Freundinnen, Geschäftskollegen, von Autoren oder beeindruckenden Dokumentationen. Ich versuche mir von jeder Begegnung und Erfahrung etwas Positives mitzunehmen und all dies fließt natürlich auch in meine Blogarbeit ein. Ich schätze viele Blogger- und Journalistenkollegen, habe aber keine festen Vorbilder.

13 Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Gib eher auf! Deine Lesezeit ist zu kostbar – wenn Dich ein Buch nach 50 Seiten noch nicht begeistert, dann meist auch danach nicht mehr. Lass es liegen, verschenk es an jemanden, der es vielleicht mehr zu schätzen weiß und wende Dich einem neuen zu. Vertrau Deinem Bauchgefühl, Du hast das bisher schon ziemlich gut gemacht. Du und die Bücher, Ihr gehört zusammen und da wird was draus. Vertrau Dir!

14 “Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!” Was überwiegt?

Glücklicherweise – das ist jetzt aber ein wirklicher Geheimtipp – ist man als Blogger gar nicht auf Leseexemplare angewiesen, man kann Bücher nämlich auch einfach im örtlichen Laden für Geld erwerben. Ich teste dies regelmäßig, es funktioniert so gut wie überall, ganz sicher. Trotzdem freue ich mich natürlich über den regelmäßigen Austausch, über Interviews, Hintergründe und wenn man mit der Hilfe der Mitarbeiter ein Buch so vorstellen kann, dass es den Leser ebenso begeistert wie mich. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ich erhalte sehr viele Zusendungen, Einladungen und Angebote und versuche mich möglichst sinnvoll zu entscheiden, lese aber auch viel aus dem „Privatkauf“ – nennen wir es eine bunte Mischung. Selbstverständlich freue ich mich darüber, es ist ein bisschen wie ein ganzjähriger Adventskalender. Allerdings verspreche ich keine Rezensionen, es ist keine Berichterstattung buchbar und alle Vorstellungen rein redaktionell. Sollte dies anders sein, ist es entsprechend gekennzeichnet bzw. verlinkt. Aber wem es um solche Fragen wie obige geht, der hat den Sinn des Bloggens leider nicht verstanden.

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Hoffentlich so viel, dass ich es mir jetzt noch nicht einmal wünschen kann. Im letzten Jahrzehnt hat sich jährlich jeweils sehr viel getan und ich hätte vorher nie gewagt oder gedacht, dass es so kommt, wie es dann kam. Dies hat mich gelehrt, dass ich weniger wünsche und einfach mehr mache und auf mich vertraue. Ich kann hoffentlich weiterhin alle Literaturprojekte gestalten, die mir in den Kopf kommen und damit möglichst viele Leser erreichen. Ich werde in den kommenden fünf Jahren mein erstes Buch veröffentlichen und hoffentlich auch noch ein zweites und drittes. Ich werde eine große Lesereise machen und hauptberuflich einige Digitalprojekte rund ums Buch umsetzen. Ich werde weiterhin möglichst viele Netzwerke für Literatur entdecken und erobern. Ich werde in fünf Jahren hoffentlich immer noch hier schreiben und dann rückblickend sagen – das war verrückt, fabelhaft, großartig – weitermachen!


Bonusfragen (wenn schon, denn schon):

16. Ein Buch, das fast niemand mag – aber das ich liebe: [warum?]

„Troposphere“ von Scarlett Thomas. Es ist eine sehr verrückte, komplizierte und komplexe Geschichte über ein geheimnisvolles Buch, vermengt mit physikalischen und philosophischen Elementen und Hintergründen. Vielleicht so etwas wie eine Mischung aus „Sophies Welt“ und „Der Club Dumas“ auf Drogen? Vielen Lesern ist es schlichtweg zu viel und wo ich mich in die vielen kleinen wissenschaftlichen Details verliebt habe, sind sie grauenhaft gelangweilt. Aber ich wünschte, ich könnte es noch einmal neu entdecken!

17. Ein Buch, das fast alle mögen – aber das mich wütend oder ratlos macht: [warum?]

Davon gibt es sehr viele – angefangen mit der Schulpflichtlektüre „Die Blechtrommel“ von Günter Grass bis hin zu sämtlichen Romanen von David Safier oder Kerstin Gier, Richard David Precht … Alle paar Wochen stoße ich auf von Anderen so geliebte Bücher und finde selbst keinen Zugang. Deswegen sind die Bücher nicht schlecht, nur eben nicht für mich geschrieben. Viele Leser sollten das vielleicht weniger persönlich nehmen. Manchmal verstehe ich nicht, was sich der Autor dabei gedacht hat und ab und an bin ich ein bisschen angefressen, wenn er/sie es für mein Gefühl schlichtweg hätte besser schreiben können.  Ich freue mich, wenn sich andere dafür begeistern und deswegen ist mir die Zeit auch zu kurz für Adjektive wie „wütend“ oder „ratlos“.

18. Ein Buch, das ich bekannter gemacht habe:

Hoffentlich nicht nur eins! Aber bei einem der letzten ZDF-Auftritte habe ich „Shakespeare and Company“ aus dem Suhrkamp Verlag vorgestellt und nach der Sendung war es kurzerhand überall ausverkauft. Also ein deutliches Zeichen, dass ich einige Leser mit meiner Freude für den autobiografischen Bericht über die Pariser Buchhandlung anstecken und es ein bisschen bekannter machen konnte. Das freut mich deswegen besonders, weil es ein Buch über die Bibliomanie an sich ist, über die Liebe zur Literatur mit vielen kleinen und großen Anekdoten rund um die Verhältnisse mit und zwischen Autoren, weil es mir schon sehr oft über die ein oder andere Leseflaute geholfen hat. Wenn man Bücher liebt, sollte man dieses im Regal stehen haben.

19. Ein Buch, vor dem ich oft und gern warne:

Das gibt es nicht. Bücher, vor denen ich warnen würde, stehen meist zurecht auf dem Index. Der Rest hat eher etwas mit persönlichem Geschmack zu tun und da können die Leser ruhig selbst für sich entscheiden.

20. Ein schlechtes Buch, das ich gut fand:

Hm? Also, ein schlechtes Buch, das ich gut fand, wäre dann für mich ein gutes Buch und somit ist aus Minus und Minus Plus geworden. Jetzt habe ich den Faden verloren. Nächste Frage.

21. Ein gutes Buch, das ich schlecht fand:

Siehe Frage davor. Macht in meinem Leserleben keinen Sinn.

22. Ein Geheimtipp, der bisher in Blogs noch kaum besprochen wurde:

„Was wir fürchten“ von Jürgen Bauer. Ich habe es schon sehr oft empfohlen, aber aus mir unbekannten Gründen verweigert der ein oder andere Leser den Kauf – vielleicht doch aus Unwissenheit. Macht was dagegen, der Autor gehört auf die Bestsellerliste!

23. Ein Buch, das viel zu oft überall besprochen wurde:

„Girl on the train“ von Paula Hawkins. Nett aufgemachter Psychothriller, dennoch ein reiner Marketinghype – lest und besprecht lieber „Leona“ von Jenny Rogneby, das kann wesentlich mehr!

24. Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders ist als ich selbst:

Spannende Frage – meist lese ich tatsächlich Bücher von Autoren, die mir teilweise ähnlich sind oder deren Hauptfiguren es sind. Wenn mir die Hintergründe der Charaktere fremd und nicht nachvollziehbar bleiben, kann ich keine Verbindung herstellen und steige meist aus. Aber entgegen meiner sonstigen Abneigung zu Kitsch und Romantik lese ich sehr gern die Romane der irischen Chick-Lit-Autorin Marian Keyes. Ich kann diese Ausnahme schwer erklären, ich mag den Witz, den Alkohol, die irische Lebensart, ich fühle mich beim Lesen schlichtweg wohl.

25. Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders denkt als ich selbst:

Der österreichische Autor Thomas Glavinic beschreibt in seinen Romanen und vor allen Dingen in „Das größere Wunder“ eine Lebenseinstellung, eine Hoffnung, die ich nicht in mir trage. Ich kann sie nachvollziehen und wir reden oft darüber, ich versuche mich beim Lesen ranzutasten. Aber es bleibt mir stets ein bisschen fremd, ich komme nicht völlig ran, kann es nicht greifen. Trotzdem oder vielleicht deswegen hat mich kaum ein Roman so sehr beeindruckt.

26. Ein Buch, von dessen Gestaltung/Cover/Design sich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten:

Gerade erst ist „Das Schiff des Theseus“ erschienen – ein wahres Meisterwerk der Herstellung mit über 20 extra gefertigten Beilagen, mit Notizen und Zusatzinformationen aus dem Verlag Kiepenheuer und Witsch. Für Verlage ist dies im Alltag viel zu aufwendig, dieses Buch wird eher eine Ausnahme bleiben – trotzdem sehr beachtenswert und ein ganz besonderer Schatz in meinem Regal.

Besonders (haptisch) schöne Bücher fertigt auch der Verlag Hermann Schmidt, wie z.B. „Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“ von Frank Berzbach. Der Verlag beschäftigt sich auch als Grundthema mit Design und Typografie und zeigt die Expertise in jedem einzelnen Buch.

27. Ein anderes Produkt, von dessen Gestaltung/Cover/Design sich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten:

Im Prinzip halte ich das Buch an sich schon für das ideale Produkt und es wurde über Jahrhunderte perfektioniert. Theoretisch ist in der Gestaltung immer viel möglich, vom Lesebändchen über Taschen und den Umschlag – allerdings ist der Leser heutzutage leider immer seltener bereit es zu bezahlen. Das oben genannte „Schiff des Theseus“ kostet 45 Euro und ist es mehr als wert, trotzdem bleibt es für die meisten Leser finanziell die Ausnahme. Ich habe auch eine Vorliebe für Bildbände (z.B. aus dem Taschen Verlag – wunderschönster „Reiseführer“ ist die 36h-Reihe über Europa etc.) und schön gestaltete Kochbücher (z.B. das Märchenkochbuch von Stevan Paul aus den Coppenrath Verlag) – allerdings ist auch dies auf die Dauer ein teures Hobby. Die Verlage haben hier bereits sehr viel Wissen und Können und leben es in Ausnahmen auch aus – da können sich vielleicht eher andere Branchen von unserer Liebe zum Produkt etwas abkucken!

28. Das netteste Presseteam / die schönste Erfahrung mit einem Verlag:

Fiese Frage, weil ich mit sehr vielen Verlagen persönlich befreundet bin und deswegen nicht ein besonderes Lieblingsteam habe. Es gibt tatsächlich nicht einen besonders schönen „Vorfall“, da inzwischen eigentlich fast alle einen sehr guten Austausch mit Bloggern pflegen und sich immer wieder feine Aktionen ausdenken.

29. Autor*innen, die tolle Inhalte auf Facebook und Twitter posten:

Gibt es noch eine Definition von „tolle Inhalte“ dazu? Liebe Autoren, lasst Euch nichts einreden, wie und ob Ihr Social Media zu gestalten habt. Macht es so, wie es sich für Euch richtig anfühlt, geht den Leuten nicht mit zu viel Eigenwerbung auf die Nerven und beachtet die im Internet übliche Netiquette – das wird schon. Ernsthaft, jeder macht das anders, ganz nach Gefühl und Leben und Genre und ich freue mich, dass langsam so viele ihren Platz finden.

30. mein(e) Lieblingskritiker*in/Journalist*in:

Stefan Mesch, Günter Keil, Richard Kämmerlings, Daniel Bröckerhoff, Sonja Peteranderl, Nils Minkmar, Julian Heck, Wolfgang Blau, Moritz von Uslar, Ulrike Klode, Jochen Wegner, Anita Zielina, Stefan Niggemeier, Kathrin Weßling …

31. ein toller Text/Beitrag aus einem Verlagsblog:

Bitte abonnieren Sie an dieser Stelle sofort die beiden Blogs hundertvierzehn (Fischer Verlag) und Resonanzboden (Ullstein Verlag) – herzlichen Dank. Sehr schön und redaktionell toll aufbereitete Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Verlagen als auch der sonstigen Buchbranche, spannende Kooperationen und Gastautoren, da lohnt sich das Reinlesen oft weit mehr als evtl bei dem ein oder anderen offiziellen Buchmagazin.

32. ein Lieblings-Blogbeitrag (kein ganzer Blog):

Ich habe in meinem Herzen ein kleine, dunkle Ecke für Verrisse und dazu gehört der sehr unterhaltsame Rant von meinem Freund Tilman Winterling auf 54books gegen die Büchergilde bzw. deren aktuelles Design. Hier ein kleiner Auszug, viel Spaß damit:

„Aberwitzig hässlich, eine Beleidigung meiner Augen und jedes Dreijährigen, der mal einen Kopffüßler gemalt hat, dagegen wieder die Ausgabe von Raymond Carvers Beginners, wenn jetzt nicht einer um die Ecke kommt, der mir erklärt, dass der blinde Bruder des Autors dieses Cover mit dem linken Fuß gemalt hat, kann ich nicht anders als diese Darstellung für einen Witz zu halten. Dieses  Buch ist so ungefähr das unansehnlichste, unästhetischste, unattraktivste, unschönste Exemplar seiner Gattung, welches mir je unter die Augen gekommen ist. (Von der Unart das Leinen des Einbands zu bedrucken ganz abgesehen, die die Büchergilde zur Perfektion beherrscht.)

Wo nimmt die Gilde so viele Leute her, die derart schlecht auf Mittelstufenniveau herumkünstlern? Aufwendige Ausstattung in Form von Leinen, Papier, Heftung und Lesebändchen verpuffen, wenn das Buch derart abstoßend illustriert und gestaltet ist.“

33. ein Blogbeitrag von mir selbst, auf den ich stolz bin: 

Auf einen Blogbeitrag kann ich schwer stolz sein, aber vielleicht auf die Aktion „Blogger für Flüchtlinge“ aus diesem Jahr, die ich gemeinsam mit anderen Bloggern startete – dies findet hoffentlich bei mir selbst und Anderen Nachahmung.

34. mein erfolgreichster Text/Beitrag:

siehe „Blogger für Flüchtlinge“ – natürlich völlig verdient

35. ein Text/Beitrag von mir, der wenig Beachtung fand, aber mehr Beachtung verdient:

Solche Fragen inklusive der Antworten halte ich leider für völligen Unsinn. Man sollte seine Zeit nicht damit verschwenden, welchen Erfolg andere Menschen den eigenen Aktivitäten beimessen.

36. eine Frage, die diesem Fragebogen fehlt:

„Was macht Literatur mit Dir, mit Deinem Leben?“


und, zum Vervollständigen:

37. “Das neue literarische Quartett…”

… hat noch Probezeit und sollte sich ein wenig finden dürfen. Ich habe selbst keinen Fernseher und konnte der Sendung auch in der Mediathek wenig abgewinnen, bei mir springt kein Funke über – vielleicht muss ich tatsächlich das Adjektiv „langweilig“ verwenden. Sie bringen mich nicht zum Lesen, aber das ist evtl. auch nicht der Sendungsauftrag. Ich bin wirklich dankbar für jeden Platz, den die Literatur in den deutschen Medien findet und den Einschaltquoten nach wird es ja durchaus angesehen. Vielleicht gibt es mal ein alternatives Format, das mir und vielen Anderen Spaß an der Literatur vermittelt, mehr Leidenschaft (gern auch in Streitgesprächen), das sich auch an Belletristik wagt und nicht nur teure Neuerscheinungen bespricht, das wäre eine feine Sache.

38. “Auf der Buchmesse…”

… bin ich Zuhause.

39. “Ich bin sehr überraschend und unerwartet auf ein gutes Buch gestoßen. Und zwar…”

„The Art of Asking“ von Amanda Palmer aus dem Eichborn Verlag. Die Musikerin, Künstlerin und Frau von Fantasybestsellerautor Neil Gaiman beschreibt darin ihren Lebensweg mit der Musik und wie sie gelernt hat, andere Menschen in ihr Leben zu lassen und sie um Hilfe zu bitten, wie sie die mit 1,2 Millionen Dollar bisher erfolgreichste Kickstarter-Kampagne initiierte und die sozialen Netzwerke für sich nutzt, sie lebt. Ich hielt es erst für ein esoterisch angehauchtes Selbsthilfebuch – stattdessen stieß ich auf eine äußerst spannende Biografie mit der besten Nutzungsanleitung für soziale Medien und gemeinsames Miteinander on- als auch offline.


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