Die australische Schriftstellerin Kate Morton (geb. 1976) wurde mit ihren Romanen wie „Das geheime Spiel“ oder „Die verlorenen Spuren“ zur internationalen Bestsellerautorin mit über zehn Millionen Verkäufen in knapp 40 Ländern. Die Bücher über mysteriöse Familiengeheimnisse mit kriminellen, aber auch romantischen Hintergründen begeistern die meist weiblichen Leser seit Jahren. Ich durfte sie im November letzten Jahres anlässlich der Erscheinung ihres neuen Romans „Das Seehaus“ (Deutschland ET: 29.02.2016) in ihrer neuen Wahlheimat London treffen und habe mit ihr über das Buch sowie über Schreibblockaden, Leseempfehlungen und ihre eigenen Familiengeheimnisse gesprochen:


Autorin Kate MortonEin herzliches Willkommen an Kate Morton – wir sitzen heute in London zusammen und sprechen über Deinen neuen Roman „Das Seehaus“. Würdest Du kurz erklären, worum es geht – ohne zu viel zu verraten?

Aber natürlich, sehr gern. „Das Seehaus“ (Leseprobe pdf) beginnt im Jahr 1933 und es ist der Tag der großen Mittsommerfeier in einem herrschaftlichen Landsitz in Cornwall. Die dortige Familie feiert diesen Tag jedes Jahr und sie hat auch diesmal wieder alles für die Gäste gereinigt, vorbereitet und geschmückt. Mein sechzehnjähriger Charakter Alice sieht aus dem Fenster und hält nach dem Gärtner Ausschau, in den sie ein bisschen verliebt ist, und ist sehr aufgeregt. Dieses Fest ist sehr wichtig für sie und ihre Verwandten. Was sie nicht weiß, ist, dass am Ende des Abend etwas Schreckliches passieren wird: der jüngste Sohn der Familie wird nach dem Fest vermisst und trotz weitreichender Ermittlungen gibt es über Jahre hinweg keine Spur von ihm. Und das ändert das Leben aller für immer. Sie packen ihre Sachen, schließen alles ab und gehen zurück nach London – sie werden das Seehaus nie wieder betreten.

An dieser Stelle springen wir in die Gegenwart und treffen Sadie Sparrow. Sie ist eine Londoner Polizeibeamtin und gerade bei ihrer Familie in Cornwall zu Besuch. Sie geht mit ihren Hunden laufen und stößt dabei auf ein altes, heruntergekommenes und teilweise verfallenes Haus, allein gelassen für mehrere Jahrzehnte – das Seehaus. Sie forscht nach und entdeckt dabei das Geheimnis des verschwundenen Jungen vom Mittsommerabend …

Sie will das Geheimnis lösen und hat natürlich ebenfalls ihre eigenen Geheimnisse, die der Leser im Lauf der Zeit entdeckt.

Sie wäre nicht Teil meines Romans, wenn es nicht so wäre.

„Ich muss meine Figuren zum Leben erwecken – also suche ich mir Charaktere aus, mit denen ich persönlich gerne Zeit verbringen möchte.“

Du schreibst über zwei sehr starke Frauen – warum hast Du sie Dir als Hauptfiguren ausgesucht?

Weißt Du – ich muss sehr viel Zeit mit meinen Figuren verbringen, manchmal über Jahre hinweg und deswegen schreibe ich über Menschen, die mich interessieren. Mit beiden Charakteren habe wirklich sehr gern gearbeitet. Alice ist, wenn wir sie in der Gegenwart treffen, über 80 Jahre alt und eigentlich eine Art Mensch, die es einem schwer macht. Sie ist stur, besserwisserisch, ruppig und hat ihre ganz eigene Einstellung, wie die Dinge zu sein haben. Aber ich mag solche Personen und sie ist einer meiner Lieblinge. Ich muss meine Figuren zum Leben erwecken – also suche ich mir Charaktere aus, mit denen ich persönlich gerne Zeit verbringen möchte.

Alice ist tatsächlich sehr autark und eigensinnig. Sie hat bereits vor langer Zeit aufgrund der damaligen Ereignisse ihr Herz verschlossen – liegt daran ihr heutiges, sehr spezielles Wesen begründet?

Was mich hauptsächlich beim Schreiben antreibt, ist die Idee von der vielfältigen Entstehung unserer Persönlichkeit. Unser Benehmen und unser Wirken in verschiedenen Situationen ist ein Resultat davon, wer wir sind. Was uns passiert, ist ein Resultat davon, welche Art von Mensch wir sind. Wann auch immer ich daran arbeite, möglichst authentische Geschichten zu erzählen, geht es mir darum. Wer diese Charaktere sind, wenn wir sie im Roman treffen, ist das Ergebnis davon, was ihnen zuvor zugestoßen ist und auf Alice trifft das ganz besonders zu.

Du hast schon sehr viel über Familien und ihre spezielle Energie geschrieben, die sie zusammenhält. Manchmal ist diese Verbindung gut und und manchmal schlecht, aber wirklich lösen können wir uns selten. Du bist auch Teil einer sehr starken Familie und hast bereits über sie geschrieben. Was ist Euer Geheimnis?

"Der verborgene Garten" von Kate MortonErst einmal muss ich Dir zustimmen – alle Familien haben Geheimnisse. Immer, wenn ich bei Lesungen über dieses Thema spreche, melden sich Leser, die sagen – meine Familie hat keine Geheimnisse. Dann sage ich – Du kennst es nur noch nicht. Deswegen ist es eben ein Geheimnis. In jeder Gruppe von Menschen, die zusammenkommt, gibt es immer gewisse Dinge, die der eine dem anderen nicht erzählen möchte. So ist es immer im Leben und in meiner eigenen Familie natürlich auch. Unser persönliches Geheimnis – und darüber habe ich in meinem zweiten Roman „Der verborgene Garten“ geschrieben, war die Geschichte meiner Großmutter. Sie fand mit 21 Jahren heraus, dass ihr Vater, bzw. derjenige, den sie dafür hielt, nicht ihr biologischer Vater war. Das ist natürlich für uns in der modernen Zeit nicht mehr besonders aufregend, aber damals war es eine Katastrophe. Sie hat dieses Geheimnis aber für die nächsten sechzig Jahre bewahrt und gab sich alle Mühe, es zu vertuschen. Es erschütterte sie in ihren Grundfesten – denn eine Familie gibt uns eine Identität. Sie stärkt uns im Idealfall in dem, was wir sind und hilft uns, einen eigenen Charakter zu entwickeln. Das liegt an der Genetik und an Kindheitserinnerungen- und erfahrungen. Als ich von der Geschichte erfuhr, war ich als Schriftstellerin sehr interessiert an ihrer Art, damit umzugehen. Ihre Erfahrungen und wie sie diese verändert haben, habe ich dann im Roman verarbeitet.

Du hast inzwischen Deine eigene Familie, bist eine Mutter von drei Kindern, drei Jungs – wie hast Du Dich als Mutter verändert und wie als Autorin?

Es hat mich definitiv verändert. Als Mutter von drei Kindern bin ich geduldiger, einfühlsamer – hoffentlich ein besserer Mensch. Auf einmal musst du diese drei menschlichen Wesen mit ihren eigenen Meinungen und ihren eigenen Ansichten aufs Leben und ihre Persönlichkeiten händeln, sie unterrichten und so gut wie möglich vorbereiten. Es gibt dir die Möglichkeit aufzublühen, man wächst sehr daran. Es bedeutet auch, dass du als Mutter Deine Kinder an erste Stelle stellst, egal was kommt. Mich macht das offener, ich kann vieles besser annehmen, werde jeden Tag besser darin und ich hoffe, das macht mich auch zu einer besseren Schriftstellerin. Meine Menschenkenntnis hat sich ebenfalls verbessert, weil Du mit sehr vielen verschiedenen Menschen Zeit verbringst – verbringen musst – mit denen Du Dich normalerweise nie ausgetauscht hättest und diese Vielfalt kann ich natürlich sehr gut für meine Romane nutzen.

„Für alle Mütter ist der Gedanke daran, ein Kind zu verlieren, die größtmögliche Furcht. Also habe ich versucht diese Furcht zu ergründen.“

Der Roman "Das Seehaus" von Kate MortonIn Deinem Buch verschwindet der kleine Bruder von Alice spurlos. Musstest Du beim Schreiben auch daran denken, wie es wäre, wenn Du einen Deiner eigenen Söhne verlierst? War es hart, diese Szenen zu schreiben?

War es. Autoren schreiben aus vielen Gründen. Einer der Vorteile bzw. Gründe ist, dass man die Welt verstehen möchte, sowie sich selbst und die eigenen Gefühle gegenüber dieser Welt. Das ist nicht mein Hauptgrund, aber ein Teil davon. Für alle Mütter ist der Gedanke daran, ein Kind zu verlieren, die größtmögliche Furcht. Also habe ich versucht diese Furcht zu ergründen. Ein Freund von mir ist Psychologe und er sagte mir, ich wäre jemand, der schlimme Dinge schon auf sich projeziert, bevor sie stattfinden. Und wenn sie dann passieren, bin ich bereit dafür. Damit kann ich mich tatsächlich sehr identifizieren und es hilft mir, über solche dinge zu schreiben und sie damit zu verarbeiten.

Diesmal war allerdings die Realität die Romanvorlage bzw. die Inspiration für diesen Teil. In Australien gibt es die Akte der Beaumont Geschwister – drei Kinder, die 1966 verloren gingen. Sie machten einen Ausflug und kamen nie nach Hause, trotz großer Ermittlungen konnte ihr Verschwinden nie aufgeklärt werden. In Australien kennt jeder diesen berühmten Fall und er war teilweise die Grundlage für diese Szene im Roman. Es ist einfach die Idee, dass sich Menschen in Nichts auflösen – was natürlich in der Realität nicht möglich ist, aber es fühlt sich für uns eben so an. Diese Art von Verschwinden wird zu einem Mythos.

Alice wird eine berühmte Autorin, eine Kriminalschriftstellerin. Du schreibst im Roman auch über ihre Schreibprobleme, ihre Textkämpfe. Hast Du ähnliche Probleme?

(Kate lacht laut.)

Ja, manchmal.

Kennst Du diese Situationen, in denen Du dir denkst – was schreibe ich hier eigentlich, wie komme ich weiter?

Absolut. Es hat sehr viel Spaß gemacht, diese Probleme mal an Alice weiterzugeben. Natürlich, zeig mir einen Autor, der diese Probleme nicht wenigstens manchmal hat. Sie hat in diesem Fall ein sehr nerviges Problem. Sie beschwert sich über die Schwierigkeit, einen Charakter von Ort A zu Ort B zu bringen, ohne dass etwas Spannendes passiert. Manchmal ist das die schwerste Szene überhaupt. An dieser Stelle hatte ich aber sicher keinen „Writers block“, weil ich ja dieses Problem einfach an Alice übergeben konnte. Leider funktioniert dieser Trick nicht immer!

„Es braucht so viel Zeit und Arbeit ein Buch zu schreiben – wenn Du es nicht aus Liebe machst und der Inhalt Dich nicht begeistert, wird es zu lange dauern und Du vielleicht daran scheitern.“

Vielleicht haben wir einige Leser, die ebenfalls schreiben wollen. Hast du drei Tipps für sie?

Lass mich überlegen.

An erster Stelle – schreib! Viele Menschen wollen schreiben, aber ihre Angst hält sie davon ab. Also ist meine erste Empfehlung: schreib einfach! Es gibt den Satz „You can’t edit a white screen or page“ (Du kannst eine weiße Seite bzw. einen weißen Bildschirm nicht bearbeiten!). Selbst wenn Du totalen Müll schreibst, kannst Du ja immer noch zurückgehen und es ändern, es ständig verbessern. Ich schreibe jedes Kapitel einmal runter und dann verbessere ich es und wieder und manchmal gibt es zehn Durchgänge, bevor ich es an den Verlag schicke. Aber das muss ich machen, das verschafft der Szene Struktur, verschiedene Schichten und macht es glaubwürdiger. Die Dialoge werden besser und die Art der Raumbeschreibung, wie es sich anfühlt und riecht und aussieht, wie etwas schmeckt – all das wird authentischer und besser. Ich habe für mich mit der Zeit herausgefunden, dass ich ohne das nicht weitermachen kann – also schreib lieber Müll, weil Du das jederzeit verbessern kannst, aber schreib!

Ausserdem solltest Du über etwas schreiben, was Dir Freude macht. Die Menschen sagen oft – schreib über das, was Du kennst – aber warum denn, ich kann doch recherchieren und im Notfall erfinden? Schreib doch über das, was Du noch nicht kennst? Es braucht so viel Zeit und Arbeit ein Buch zu schreiben – wenn Du es nicht aus Liebe machst und der Inhalt Dich nicht begeistert, wird es zu lange dauern und Du vielleicht daran scheitern. Entdecke Deine eigene Welt darin, Deine Charaktere und Situationen. Du musst Vertrauen haben, in die Dinge, die Du liebst und über die Du schreiben möchtest.

Habe ich eine dritte Empfehlung? Lies! Lesen ist die beste Vorbereitung darauf ein guter Autor zu sein. Menschen, die viel lesen, haben oft auch einen besonderen Sinn für das Erzählen. Weil wir so viel lesen, wissen wir, wenn ein Buch langweilig ist oder wir merken, dass mit der Handlung oder den Charakteren etwas nicht stimmt. Das liegt daran, dass wir schon so viel gelesen haben, dass wir in unserem Kopf eine bestimmte Idee davon haben, wie es sich anfühlen müsste, wie die Charaktere empfinden müssten, ob es zu schnell oder zu langsam geht. Deswegen: lest. Ich werde nie verstehen, wie Menschen schreiben können und nicht lesen.

Hast Du selbst Lieblingsautoren? Wir sprachen z.B. bereits über Kate Atkinson. Hast Du Vorbilder bzw. gibt es Autoren bei denen Du sagst, wenn Du deren Bücher liest – genau da will ich hin, so will ich auch schreiben können?

Es gibt sehr viele Autoren, die ich wirklich gern lese. Als ich angefangen habe, war Barbara Vine eine große Inspiration für mich. Ich habe von Anfang an gern geheimnisvolle Romane gelesen, schon als Kind. Deswegen liebe ich Barbara Vine, Kate Atkinson, Sarah Waters – von diesen Autorinnen kaufe und lese ich alles, was sie schreiben. Für mich sind sie unfassbar gute Schriftstellerinnen. Ich habe gerade erst mit PD James und ihrem Roman „Ihres Vaters Haus“ angefangen und mochte das wirklich sehr.

Ich liebe Ian McEwan, „Middlesex“ von Jeffrey Eugenides, aber ich mag auch Sachbücher wie z.B. Philip Marsdens „Rising Ground“. Er schreibt über Cornwall und er läuft mit dem Leser durch das Land, führt durch die geografische und historische Vergangenheit. Es ist eine wunderbare Studie des Ortes, der Landschaften und wenn man es fühlt, spürt man die Magie dieser Gegend.

Gut, dass du Cornwall erwähnst – das ist ein großer Teil Deines Buches. Du liebst die Blumen, die Landschaften und ein weiterer Teil des Roman, sozusagen der Gegensatz, spielt in London. Magst Du uns noch etwas über Deine Liebe zu dieser Stadt erzählen?

Ich liebe London, es ist meine Lieblingsstadt. Jeder, der meine Bücher gelesen hat, weiß, dass ich Geschichte so sehr liebe und noch viel mehr, wenn sie einen Bezug zur Gegenwart hat, wenn wir sie dort wiederfinden. London ist eine Stadt, in der ich dies jeden Tag spüren kann. Du gehst raus und findest es in den alten Mauern, du siehst das Viktorianische überall um uns herum, die alten Rohre, der Untergrund, die Ubahn, hier vermischen sich Vergangenheit und Zukunft und ich liebe dieses Gefühl. Ausserdem ist es eine so lebendige, atmende Stadt. Es ist eben nicht einfach ein Platz, an dem die Vergangenheit bewahrt wird, sondern sie lebt weiter, sie pulsiert mit neuen Menschen, neuen Einflüssen, neuen Gebäuden, neuen Stilen. Es ist eine sehr dynamische Stadt. Das mag ich an ihr so.

„Ich hoffe, wenn Sie mit dem Buch fertig sind, vermissen Sie die Welt der Geschichte, wollen zurück dorthin und sie neu entdecken. Dann habe ich es richtig gemacht.“

Was soll der Leser am Ende des Buches fühlen, wenn er die letzte Seite umblättert?

Was ich mir immer wünsche, wenn ich schreibe … nein, lass uns weiter zurückgehen. Als ich ein Kind war, habe ich Lesen so sehr geliebt. Wenn ich ein Buch zur Hand nahm und es öffnete, dann sah ich nicht die einzelnen Seiten, sondern kippte sofort in das Kaninchenloch hinein und war in der Geschichte verschwunden. Dies war das absolut beste Gefühl meiner Kindheit. Leider habe ich das verloren, als ich älter wurde. Ich liebe Lesen immer noch sehr, aber das fühle ich leider nicht mehr. Als ich aber anfing zu schreiben, fühlte ich es wieder. Meine größte Hoffnung ist, dass ich dieses Gefühl auf die Leser übertragen kann. Dass sie, wenn sie meine bücher lesen, dieses Gefühl aus der Kindheit reaktivieren und ganz in der Geschichte eintauchen können. Mein liebste Erfahrung mit Lesern ist es, wenn sie mir sagen – ich konnte nicht aufhören zu lesen, aber ich wollte auch nicht, dass es vorbei ist. Ich wollte doch noch ein bisschen in der Geschichte bleiben und dort leben. Also, auch wenn es ein bisschen fies ist, das zu sagen – aber ich hoffe, wenn sie mit dem Buch fertig sind, vermissen sie die Welt der Geschichte, wollen zurück dorthin und sie neu entdecken. Dann habe ich es richtig gemacht.

Was für ein wunderbarer Wunsch und ich denke, der beste Grund, um noch möglichst viele Romane zu schreiben. Herzlichen Dank für das Interview und wir wünschen allen Lesern viel Genuß mit „Das Seehaus“!


Informationen zu Kate Morton

Zum Roman:

Wir befinden uns im Jahr 1933, als sich die sechzehnjährige Alice Edevane aufgeregt auf das jährliche, prunkvolle Mittsommernachtsfest auf dem Landsitz ihrer Familie in Cornwall vorbereitet. Weder sie noch die Gäste ahnen, dass dies der letzte gemeinsame Abend auf diesem Anwesen sein wird. Der jüngste Sohn verschwindet spurlos und kann trotz weitreichender Ermittlungen nie mehr gefunden werden. Die Familie zerbricht über der Trauer und den Schuldgefühlen …

Sechzig Jahre später stößt die junge Polizistin Sadie Sparrow zufällig beim Joggen auf das inzwischen verfallene Landhaus und damit auf den geheimnisvollen Kriminalfall, der bis in die heutige Zeit ungelöst blieb. Sie geht dem Geheimnis nach und trifft in London auf die inzwischen weltberühmte Autorin Alice und deren Vergangenheit. Ist es ein Zufall, dass diese ausgerechnet mit Romanen über brutale Mordfälle berühmt wurde und was hat ihre damalige Jugendliebe mit dem Fall zu tun, die ebenfalls am Mittsommerabend verschwand?

Kate Morton vermischt gekonnt zwei Zeitebenen sowie mehrere Kriminalfälle und begeistert vor allen Dingen durch ihre zwei weiblichen, sehr starken Hauptcharaktere. Sie zeigt die mögliche Kraft von Familien auf, die enge Verbindung, die sie schaffen und die ebenso schnell ins Negative kippen können. Man reist durch die über 600 Seiten sowie sechzig Jahre und ist am Ende Teil von ihnen allen, fühlt sich verbunden und vor allen Dingen grandios gut unterhalten. Entgegen dem möglichen Ersteindruck des Covers konzentriert Morton sich nicht auf einfache Liebesplänkeleien vor britischem Gartenhintergrund, sondern zeigt uns neben einer spannenden Handlung die Vielseitigkeit der Familie auf, mit all ihren Stärken und Schwächen. Ein Roman für den Sonntagnachmittag auf dem Sofa, oder aber im Idealfall auf dem Weg zum nächsten London-Trip!

„Das Seehaus“ von Kate Morton – ET: 29.02.2016 – Hardcover – Diana Verlag – 22,99 Euro – ISBN: 978-3453291379 – 608 Seiten – auch als Ebook und Hörbuch erhältlich – Kate Morton Special bei RandomhouseLesereise: 15.-19. März 2016 inkl. Buchmesse Leipzig / Termin mit Moderation Karla Paul 17.03. Berlin – Offizielle Webseite