Heute feiern Leser, Autoren, Verlage und Buchhändler den Indiebookday 2016. Was im Jahr 2013 als kleine Aktion unter Gründung von mairisch-Verleger Daniel Beskos begann, sich danach sogar in ganz Europa ausbreitete und inzwischen glücklicherweise für viele Literaturfans als inoffizieller Feiertag gilt, bedarf aber stetig weiterer Aufklärung und Verbreitung.


Was ist der Indiebookday und warum sollte man unabhängige Verlage besonders unterstützen?

Indiebookday 2016 Es gibt in Deutschland über 2.000 Verlage, die jährlich knapp 100.000 Bücher veröffentlichen (Selfpublisher sind hier nicht mitgezählt). Einige davon gehören zu Großkonzernen wie Randomhouse (45 Unterverlage wie DVA, Blanvalet, Heyne uvm.) , Bonnier (Carlsen, Ullstein, Piper, Berlin Verlag uvm.) und Holtzbrinck (Droemer, Fischer, Rowohlt uvm.) und/oder sind Aktiengesellschaften wie Bastei Lübbe oder die Edel AG (ZS, Dr. Oetker, Eden Books uvm.). Aufgrund der Größe der Konzerne und Firmen können sie ihre Titel ganz anders finanzieren und bewerben als kleine, unabhängige Verlage. Die großen Verlage können auch aufgrund der Masse an Neuerscheinungen von Druckereien, Werbepartnern, Grafikagenturen etc. ganz andere Preise verlangen und ihre Titel in den großen Buchhandlungen schlichtweg einkaufen, d.h. sie in den Schaufenstern und Angebotstischen besser platzieren lassen. Das hat mit der inhaltlichen Qualität der Bücher nichts zu tun und auch Konzerne arbeiten mit einer Crossfinanzierung d.h. es gibt Massenbestseller, die viel Geld einbringen und dafür können sie wiederum Titel einkaufen & veröffentlichen, die wahrscheinlich eher eine kleinere Zielgruppe ansprechen, dem Unternehmen aber am Herzen liegen. Auch die Mitarbeiter sind ebenso leidenschaftlich bei der Sache, das eint die komplette Branche.

Trotzdem haben die kleineren, unabhängigen Verlage deswegen oft das Nachsehen, dabei sind ihre Titel ja ebenso lesenswert und gut gemacht. Deswegen hat Daniel Beskos (mairisch Verlag) den Indiebookday gestartet und möchte damit dazu aufrufen, dass die Buchhandlungen zu diesem Anlass ganz konkret alternative Titel ins Programm nehmen und den Lesern empfehlen. Zudem posten die Leser ihre Lieblings- sowie an diesem Tag gekauften Bücher in den sozialen Netzwerken und verbreiten sie mit dem Hashtag #indiebookday via Facebook, Instagram und Twitter.

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Weshalb ist es wichtig, dass die Buchbranche aus großen und kleinen Verlagen besteht?

Die Buchbranche ist ein buntes, sehr lebendiges (an dieser Stelle bitte keine Witze) Ökosystem von kleineren und größeren Verlagen, Verlagsautoren und Selfpublishern, eigenständigen Buchhändlern und großen Ketten. Zusammen sind sie alle sehr wichtig für das Fortbestehen der deutschen Literaturbranche, ebenso wie z.B. die Buchpreisbindung. Die meisten Leser kaufen natürlich Bestsellerbücher in großen Ketten wie z.B. Thalia und Hugendubel – diese haben auch genug Geld, um viel Werbung für das Lesen insgesamt zu machen. Dafür bekommt man in kleineren Buchhandlungen oft ausgewähltere Empfehlungen und auch mal alternative Literaturtipps. Ebenso ist es auch mit den Verlagen und je breiter eine Branche aufgestellt ist, desto geringer ist auch das Risiko, dass alles zu einem für den Leser wenig wünschenswerten Brei wird. Sollte z.B. irgendwann alles einmal von Amazon beherrscht werden (die ja inzwischen vom reinen Lieferanten auch zum Produzenten = Verlag geworden sind), könnten diese bestimmen, was wir in Zukunft von wem und wann lesen. Literatur ist aber nicht irgendein Produkt, sondern sehr wichtig für unsere politische, sachliche und emotionale Bildung und sollte deswegen so vielfältig wie nur möglich sein und unsere größtmögliche Förderung erfahren.

Katalog unabhängiger VerlageAber angenommen, dass der Buchhändler vor Ort vielleicht noch nichts von der Aktion mitbekommen hat (was eine gute Gelegenheit ist, um ihn einfach mal nett darauf hinzuweisen) oder tatsächlich gar keine kleinen Verlage führt (was evtl. ein Anzeichen dafür ist, sich mal nach alternativen Lieblingsbuchhandlungen umzusehen) – woher erfährt man, welche Verlage klein und unabhängig sind bzw. wo stößt man auf Empfehlungen? Auf der einen Seite gibt es die Kurt Wolff Stiftung, bei der sich 65 unabhängige Verlage präsentieren und man kann im aktuellen Katalog jederzeit ein bisschen stöbern, oder aber man informiert sich z.B. beim nächstgelegenen Literaturhaus sowie bei den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Zudem kann man heute ganz prima in den sozialen Netzwerken nach dem Hashtag #indiebookday suchen und sich dort von den Beiträgen inspirieren lassen.


Zehn Buchempfehlungen unabhängiger Verlage aus allen Genres

Zudem habe ich mal in meinen eigenen Regalen gestöbert und für Euch alte und neue Lieblingstitel aus kleineren Verlagen herausgesucht, die ich Euch ans Herz legen möchte:

Schwarze Seelen von Gioacchino Criaco„Schwarze Seelen“ von Gioacchino Criaco / Folio Verlag

Nahezu poetisch beschreibt der Mailänder Anwalt Criaco das Leben dreier Mafiosi aus Kalabrien. Die ehemaligen Ziegenhirten aus den Bergen Africos begehen Entführungen, Morde und Drogenschmuggel wie manch einer den Gemüseanbau, sie knüpfen unbeirrbar ihren eigenen Strick und nehmen die Liebsten gleich mit – ein Alltag voller Blut, Angst sowie Hass auf die Anderen und auf sich selbst. Spannend und literarisch erzählt von einem, der seine eigene Familie an die Mafia verlor und es sich nun vom Herzen schreibt. (gebundene Ausgabe – 22,90 Euro – 233 Seiten)

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Die souveräne Leserin Alan Bennett„Die souveräne Leserin“ von Alan Bennett / Klaus Wagenbach Verlag

Beim täglichen Spaziergang mit ihren geliebten Corgies stößt die britische Queen auf einen Bücherbus und mehr aus Höflichkeit als aus Interesse leiht sie sich spontan einen Roman. Dies ist der Anfang ihrer neuen großen Leidenschaft und von nun an liest sie immer und überall, unterbricht dafür wichtige Sitzungen, lädt ihre Lieblingsautoren zum Staatsbankett ein und befragt jeden nach dessen aktueller Lektüre. Ein legendärer kleiner Roman über die wunderbaren Fähigkeiten der Literatur, uns jederzeit für fremde Welten zu öffnen und einzunehmen sowie Pflichtlektüre für jeden Bibliophilen.

(gebundene Ausgabe – 14,90 Euro – 120 Seiten)

Amazon.de / Buchhandel.de / Wagenbach Verlag

 

Die Kunst ein kreatives Leben zu führen„Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“ von Dr. Frank Berzbach / Verlag Hermann Schmidt

Immer höher, schneller, weiter – unser Leben zerbirst schier vor lauter Ansprüchen und der täglich wachsenden Informationsflut. Doch Kreativität benötigt viel Raum und Stille und der Autor lädt uns Stück für Stück zu einem Gespräch mit uns selbst sowie einer guten Tasse Tee, denn auch diese erfordert zuerst einmal Ruhe und viel Geduld. Dieses Buch sollte ein Alltags- und Berufsbegleiter und keine schnelle Lektüre sein, ein regelmäßiges Innehalten für ein volles und dennoch achtsam gestaltetes Leben. (Fadenheftung – 29,80 Euro – 208 Seiten)

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Graben von Cynan Jones„Graben“ von Cynan Jones / liebeskind Verlag

Inmitten der kargen, walisischen Landschaft spielt sich ein spannender Kampf zwischen Gut und Böse ab. Zwei Männer müssen sich in ihrem Inneren entscheiden, zu welcher Seite sie gehören und mit welcher Kraft sie gegen Andere, aber auch für sich kämpfen werden. Der Farmer Daniel hat seine Frau verloren und seitdem herrscht Stille, das Weiterleben wurde durch die reine Existenzerhaltung ersetzt. Ebenso kalt und wütend erleben wir seinen Kontrahenten, einen Wilderer, jeder neue Tag wird ertrotzt. Der Autor findet nur wenige Worte für das, was uns als Mensch ausmacht und vorantreibt, es sind aber die Richtigen und solche, die dem Leser die Kälte in die Knochen treiben. (gebundene Ausgabe – 16,90 Euro – 176 Seiten)

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Das achte Leben von Nino Haratischwili„Das achte Leben – für Brilka“ von Nino Haratischwili / Frankfurter Verlagsanstalt

Die Autorin Nino Haratischwili spannt in ihrem historischen Roman über die Familie eines Schokoladenfabrikanten aus Georgien ein Opus über ein Jahrhundert und sechs Generationen – sie entführt uns in eine blutige Zeit voller Lieben und Leiden und dem täglichen Trotzen auf Hoffnung, auf Leben, auf ein bisschen Glück inmitten von Krieg und politischen Umwälzungen. Dieser Roman ist eine Mahnung für die heutige Zeit, ein sprachliches Schatzkästchen und ein wunderbares Beispiel für das, was Literatur im besten Fall zu leisten vermag, dass sie uns gleichzeitig lehrt und bestens unterhält. (gebundene Ausgabe – 34 Euro – 1280 Seiten)

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Die Baker Street Artefakte„Die Baker Street Artefakte“ Hsg. Christian von Aster / Feder & Schwert

In einem Hinterzimmer des „Baker Street“ Cafes in Saarbrücken findet der Schriftsteller Christian von Aster verschiedene geheimnisvolle Gegenstände, die der verstorbene Weltenbummler Heinz Rox Schulz a la Indiana Jones bei zahlreichen Abenteuerreisen zusammengetragen hatte. Zusammen mit Autorenkollegen wie Markus Heitz, Christoph Marzi, Isa Theobald u.v.m. erfindet und erzählt er in dieser Anthologie die spannenden und durchaus mörderischen Geschichten rund um die jeweiligen Artefakte – stilistisch angelehnt an Klassikern von Poe bis Lovecraft, aber auch moderner Schauerliteratur.  (gebundene Ausgabe – 17,99 Euro – 240 Seiten)

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Ein Haus mit vielen Zimmern„Ein Haus mit vielen Zimmern – Autorinnen erzählen vom Schreiben“ Hsg. Sophia Jungmann / edition fünf

Ebenso wie ihre Romane interessieren mich meist die Menschen hinter den Geschichten. In diesem liebevoll gestalteten Band erzählen Autorinnen von ihrer Beziehung zur Literatur, ihrem Gefühl beim Schreiben und der Notwendigkeit, ihre Gedanken in Worte zu fassen und sie zu Papier zu bringen. Sehr selbstkritisch, aber auch unterhaltsam berichten sie über das Schreiben als Beruf sowie Lebensaufgabe und ihre Beziehung zu den jeweiligen Figuren und Geschichten. (gebundene Ausgabe – 19,90 Euro – 232 Seiten)

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Die Frau, die nein sagt„Die Frau, die Nein sagt – über Francoise Gilot“ von Malte Herwig / Ankerherz Verlag

Der Malerin und ehemaligen Lebensgefährten von Pablo Picasso, Francoise Gilot, wurde mit diesem Buch eine bunte Liebeserklärung geschaffen. Malte Herwig zeichnet durch Anekdoten, Gespräche und Bildmaterial eine starke, liebenswerte Frau, die nicht nur Picasso das Fürchten, sondern auch den Leser das Leben lehrt. Gilot hasst nichts so sehr wie die Langeweile – ein Zustand, der einem dank dieser farbenprächtigen Biografie glücklicherweise erspart bleibt!

(gebundene Ausgabe – 29,90 Euro – 186 Seiten)

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Monster Benjamin Maack„Monster“ von Benjamin Maack / mairisch Verlag

Benjamin Maack ist ein großartiger Erzähler und er treibt dem Leser die Geschichten im Band „Monster“ bis unter die Haut, er schreibt sich einmal quer durch unser Nervensystem, wir sind ihm völlig ergeben. Spannend sowie ebenso unterhaltsam berichtet er von bösartigen, wundersamen, menschlichen Charakteren und setzt sie in unseren Köpfen aus – im schlimmsten Fall bleiben sie drin.

(gebundene Ausgabe – 16,90 Euro – 192 Seiten)

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Was wir fürchten Jürgen bauer„Was wir fürchten“ von Jürgen Bauer / Septime Verlag

Georgs Leben ist von Anfang an von Angst bestimmt. Er hat Angst um seinen suizidgefährdeten Vater, um seine Freunde, bald vor allem, was das Leben ausmacht. Der Leser wird Zeuge von seinen mühevollen Versuchen Vertrauen und Stabilität zu gewinnen, sich eine Familie aufzubauen. Jürgen Bauer zeigt auf, was uns stark macht und was schwach und wie fragil unsere Welten im Notfall sein können. Und hinter allem steht die Frage: was ist, wenn Georg vielleicht gar nicht an einem Wahn leidet, sondern alle Befürchtungen begründet sind?

(gebundene Ausgabe – 21,90 Euro – 264 Seiten)

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