Buchtipp: „Wir hier draussen – eine Familie zieht in den Wald“ von Andrea Hejlskov

„Der größte Verrat ist es, wenn einem etwas klar wird, und man keine Konsequenzen daraus zieht.“ Dieser Satz ihres Mannes verändert für Andrea alles. Zu lange schon hetzt sie mit ihm und ihren drei Kindern täglich durch das Hamsterrad der Gesellschaft. Geld verdienen, um sich Dinge zu kaufen, die Platz benötigen, der wiederum mehr Geld kostet. Noch mehr Geld verdienen, um den Nachwuchs bei fremden Menschen unterzubringen, für die Zeit, in der man das Geld dafür verdient. Höher, schneller weiter – in ihrem Fall aber vor allen Dingen unglücklicher. Trotz aller Achtsamkeitsübungen, Urlaube und Familienzeit scheinen sie immer mehr die Verbindung zueinander zu verlieren.

„Ich habe euch in einem System aufwachsen lassen, dem ich einmal blind vertraut habe, aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Ich habe euch in die Kita gegeben, obwohl jede Faser meines Körpers eure Namen gerufen hat. Ich glaube nicht mehr daran, dass es gut ist, dass die Kinder in Einrichtungen aufwachsen und die Erwachsenen die ganze Zeit arbeiten, um die Produktivität zu steigern.“

Als dann ein schwedisches Waldstück zur Verfügung steht, treffen sie eine Entscheidung: ein Jahr lang wollen sie gemeinsam in die Einöde ziehen, so tief wie möglich in die Natur und zurück zu sich selbst. Was zuerst wie ein Abenteuer klingt, eine real gewordene DMAX-Dokumentation, wird schnell ungemütlicher Alltag. Ohne Ablenkungen treten schon bald nicht nur die Gemeinsamkeiten, sondern auch die wunden Punkte stärker hervor. Die Familie verwirft sich und findet neu, was sie verbinden kann und muss, ebenso steht das Ehe- und Elternpaar vor völlig anderen Herausforderungen. Wie findet man als emanzipierte Frau in der Wildnis eine passende Rolle, wenn das körperliche Ungleichgewicht zum Kochen, Waschen, Putzen zwingt? Wenn sie doch jetzt alles hat, was sie wollte, wenn die Kinder frei und voller Glück am Fluß spielen und so tief schlafen wie nie, weshalb ist sie weiterhin unzufrieden? Reicht die Natur wirklich aus, ohne Geld, Internet, ohne Musik und soziale Alternativen?Trotz aller wunderschönen Momente scheitert die Familie auch oft an den wilden Gegebenheiten, am Wetter, an Finanzproblemen, an unterschiedlichen Einstellungen und immer wieder an sich selbst.

Andrea leidet, kämpft und arbeitet wie ein Tier mit und für ihre Familie im ersten Jahr der selbst gewählten schwedischen Einsamkeit. Sie zweifelt, verwirft, baut neu und findet für ihre Fähigkeiten und Pläne alternative Plätze in Gegenwart und Zukunft. Andrea Hejlskov erzählt uns von einer modernen Walden-Interpretation, auf Thoreaus Spuren fernab von Internet, Selbstoptimierung und Konsumterrorismus.
Sie schreibt darüber so ehrlich, authentisch und nah, dass sowohl die Schmerzen ihres gemeinsamen Wachstums, als auch die Liebe zur Natur auf jeder Seite spürbar sind und im eigenen Herzen Wünsche ansetzen, Gedanken anstoßen, Forderungen aufstellen. Mit ihren Gedanken und Gefühlen schafft sie eine lesenswerte, moderne Fortsetzung von Henry David Thoreaus „Walden“, abseits von Landlust-Trends und der Verherrlichung von Aussteigerträumen. Leseprobe

„Das Wasser reflektiert das Licht, nur für mich; der Wind streichelt meine Wange. Ich werde getröstet. Von der Natur. Vom Wind, vom Wasser, von den Reflexionen und den Bäumen, sie trösten mich wirklich, sie halten mich und wiegen mich und sagen mir, dass alles gut wird. Ich weiß, dass es kitschig klingt, aber warte nur, bis du es selbst erlebst. Es sind Augenblicke der ewigen Gnade.“ 


Über die Autorin:

Andrea Hejlskov wurde 1975 in Dänemark geboren. Sie studierte Psychologie in Kopenhagen, wo sie auch als Lehrerin arbeitete. Sie war außerdem Geschäftsführerin einer Coaching Agentur und arbeitete als Consultant. Sie ist Autorin eines Kinderbuches und hält engagierte Vorträge über die Auswirkung radikaler Lebensentscheidungen. Seit 2011 lebt sie gemeinsam mit ihren vier Kindern und ihrem Mann im südschwedischen Wald.

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Grundinformationen „Wir hier draussen“ von Andrea Hejlskov:

erschienen am 01. September 2017 im mairisch Verlag / gebundenes Buch mit Lesebändchen / ISBN: 978-3-938539-47-7 / 296 Seiten / Übersetzung: Roberta Schneider / 20 Euro Neupreis / EBook 9,99 Euro /

Kaufmöglichkeiten: Amazon + Mojoreads + Genialokal + LovelyBooks  + Buchfinder sowie vor Ort in jeder Buchhandlung erwerbbar bzw. über Nacht bestellbar! #buylocal

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