Buchkolumne 12/2015: kreativ durch den Bahnstreik, tolle Jobs und die einflussreichsten Bookpeople

Shades of Delay – wie die Mayersche den Bahnstreik für sich nutzt:

Der Bahnstreik sorgte diese Woche für erhitzte Gemüter. Positiv gesehen fanden viele Deutsche nun plötzlich enorm viel Lesezeit und auch die Mayersche Buchhandlung wollte lieber optimistisch an das Thema herangehen. Sie startete eine der kreativsten Aktionen rund um Weselsky & Co und forderte online die Leser unter dem Hashtag #Bahnstreikliteratur dazu auf, ihre Lieblingscover dementsprechend anzupassen:

Bahnstreikliteratur_01 Bahnstreikliteratur_02

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teilnehmer der Mayerschen-Community „Was liest du?“ konnten für ihre Beiträge Buchpakete gewinnen, viele reichten aber auch einfach aus Spaß online Vorschläge von umgewandelten Titeln ein. So kam die Buchhandelskette nicht nur verdient in die Twitter-Trends sondern sogar ins Medienmagazin meedia!


Ullstein schafft den Resonanzraum:

Resonanzboden_Ullstein_Blog„In diesem Haus wurden alle Strömungen eingefangen, alle Stimmen gehört, registriert und wie von einem riesigen Resonanzboden verstärkt der Öffentlichkeit wieder zugeführt.“ So wird Emil Herz, der erste Verleger des Ullstein Verlags aus Berlin zitiert und aus ebendiesen Gründen trägt der dazugehörige Verlagsblog (online seit Dezember 2014) den Titel „Resonanzboden“. Neben sehr vielfältigen Berichten aus dem Kulturbereich sind dort natürlich passend aufbereitete Insiderinformationen aus dem Verlag zu finden – warum und weshalb, das erklärt das Ullstein Team im Video:

Neben dem Blog hat der Verlag nun auch die dazugehörige Veranstaltungsreihe „Resonanzraum“ geschaffen und am vergangenen Mittwoch gab es die erste Diskussion rund ums Thema „Verlegen der Zukunft“. Verlegerin Siv Bublitz diskutierte mit Stephen Page (Faber & Faber) sowie dem umstrittenen Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner, den das Börsenblatt mit einer eher pessimistischen Ansicht zitiert:

Die Auswirkungen der Digitalisierung müssten für die Buchbranche eigentlich gravierender sein als für das Musikbusiness, führte er aus. Seine Begründung: Ein Song oder ein Album wird häufiger gehört, ein Buch aber nur einmal gelesen. Mithin lohne sich die Anschaffung kaum – beziehungsweise sei ein E-Book ausreichend.

 


Auf die Bewerbung, fertig, los – tolle Jobs im Literaturbereich:

Gleich drei tolle Verlage haben in dieser Woche Stellenausschreibungen bekannt gegeben, die hier dringend Erwähnung finden sollten (Jobs hier in der männlichen Form, gesucht werden aber Männer und Frauen):

Der Reclam Verlag sucht einen Mitarbeiter/Junior-Referenten in der Presseabteilung, befristet auf 2 Jahre (Vollzeit, 38 Stunden). Der Verlag mit den bekannten gelben Covern sitzt in Ditzingen (Nähe Stuttgart). Diese Stelle umfasst nicht nur die üblichen Presseaktivitäten d.h. Veranstaltungsorganisation, Autorenbetreuung und Newsletterversand, sondern auch die Betreung der Social Media Kanäle. JETZT BEWERBEN!

Der Diogenes Verlag sucht einen Lektoratsassistenten, einen Sekretär für den Verleger sowie einen Hersteller für den Standort Zürich (alle Vollzeit). Nachdem der Verlag in letzter Zeit eher mit Sparmaßnahmen von sich reden machte und seinen Auftritt auf der Buchmesse Frankfurt absagen musste, scheint er das Geld nun lieber in neues Personal zu investieren. Eine begrüßenswerte Entscheidung!  JETZT BEWERBEN!

Der Hanser Verlag sucht einen Online-Projektmanager mit Fokus auf Online Media und Business Development. Neben dem wunderschönen Standort München bietet der Verlag dank Verleger Jo Lendle ein herausragendes Programm, eine eben erst optimierte Website sowie digitale Neuheiten wie die Hanser Box. JETZT BEWERBEN!


Autoren & Verleger – jetzt Titel für den Deutschen Phantastik Preis einreichen:

DeutscherPhantastikPreisBereits seit über einem Jahrzehnt gibt es den Deutschen Phantastik Preis, der in zahlreichen Kategorien die besten nationalen sowie internationalen Inhalte und Autoren aus dem wortwörtlich fantastischen Bereich prämiert. Bis zum 07. Juni 2015 kann man nun für die folgenden Kategorien Titel einreichen:

  • Bester deutschsprachiger Roman
  • Bestes deutschprachiges Romandebüt
  • Bester internationaler Roman
  • Beste deutschsprachige Kurzgeschichte
  • Beste Original-Anthologie/Kurzgeschichten-Sammlung
  • Beste Serie
  • Bester Grafiker
  • Bestes Sekundärwerk
  • Beste Internet-Seite

Initiiert und organisiert wird der Preis von der Webseite Phantastik News.


Muggel jagen den goldenen Snitch:

Fantastisch bleibt es – nicht nur Stefan Raab erfindet ständig neue Sportarten, auch Joane K. Rowling hat dies mit ihrem Harry-Potter-Spiel Quidditch geschafft. Wer denkt, dass dies doch in der Realität gar nicht umzusetzen sei (im Buch fliegen die Spieler auf Besen in weiter Höhe), der irrt. Es gibt inzwischen sogar einen europäischen sowie einen weltweiten Cup, auf dem die verschiedenen Mannschaften gegeneinander antreten. Der Standard berichtet nun über das österreichische Team, die Vienna Vanguards:

ViennaVanguardsMit einer Freundin gründete Gassner eine Facebook-Gruppe „Muggel Quidditch Wien“. Innerhalb weniger Stunden hatte sie bereits mehr als hundert Mitglieder. Daraus gründeten sich vergangenen Oktober die Vanguards – die Vorreiter. „Das sind wir für Österreich, die ersten, die den Sport gestartet haben und intensiv betreiben“, sagt der 26-jährige Gassner. Beim europäischen Quidditch-Cup in Oxford Ende April belegten die Van guards immerhin Rang 26 von 32 und besiegten das deutsche Team.

„Nach den ersten Trainings wird der Besen immer weniger komisch“, sagt Stephanie Rasch. Der „Besen“, der aus Sicherheitsgründen ein blauer Plastikstab ist, würde schnell zum „Sportgerät“. Ein Holzbesen könnte splittern und verletzen. Der Kindheitsheld Potter würde auch immer mehr in den Hintergrund geraten, was zähle, sei der Sport. „Natürlich sind die Bücher der Ausgang des Ganzen, aber der Besen stellt bei uns eben auch ein Handicap dar“, sagt Rasch. Wenn sie etwa von ihrem Besen gestoßen wird, ist sie vorerst draußen und muss zurück hinter die eigenen Ringe laufen, die als Tore fungieren. Dort darf sie wieder aufsteigen.


Der Buchkauf als blinder Fleck der Literaturkritik:

Unter diesem Titel hat Marc Reichwein auf Literaturkritik.at ein sehr lesenswertes Essay über die Literaturkritik im lokalen Buchhandel geschrieben und dort nicht nur die bisherigen Aktionen gut zusammengefasst, sondern motiviert auch für eine stärkere Vernetzung von Feuilleton und Handel:

Um unseren inhabergeführten Buchhandel vor Ort zu erhalten, müssen wir journalistisch thematisieren, was wir an ihm haben – und kritisieren, was wir an ihm eventuell vermissen.

So wie ein traditioneller Anspruch im Aufgabenkatalog des Literaturkritikers mal auf Geschmacksbildung lautete, so könnten Buchladenrezensionen dazu beitragen, anspruchsvolle, aufgeklärte Buchkäufer zu bilden. Der Buchladenkritiker verfügt über ein Geschmackssensorium, an dem er andere teilhaben lassen kannKrimi mit Mimi. Dabei geht es nicht um missionarischen Eifer. So wie ein literarischer Text mindestens so viele Lesarten kennt, wie es Leser gibt, gilt auch für die Art und Weise, Bücher zu erwerben beziehungsweise sich für ihre Anschaffung zu interessieren: Es gibt viele Wege zum Buch.

 

Was Reichwein noch sehr ausführlich und sinnvoll predigt, hat Blogger Arndt Stroscher bereits umgesetzt und bringt in seiner Facebook-Gruppe „Blogger & Buchhandel“ beide Seiten zusammen. Diese sind zum offenen Austausch eingeladen und vernetzen sich darüber für gemeinsame Projekte on- und offline. Wie dies aussehen kann, haben Buchhändlerin Christiane Hoffmeister (Büchereck Niendorf Nord) sowie Bloggerin Miriam Semrau (Krimi mit Mimi) erst kürzlich mit einem gemeinsamen Schaufenster bewiesen – Lesen auf eigene Gefahr!


Der Ankerherz-Verlag sucht meer-begeisterte Blogger:

Ankerherz_Schreibwettbewerb

 

Verlage brauchen neue Autoren und ein recht klassischer Weg der Akquise sind Schreibwettbewerbe. Der Ankerherz Verlag bzw. Initiatorin Nina Merks haben sich nun eine Aktion ausgedacht, die sowohl auf den Verlag aufmerksam macht als auch kreative Onliner sucht. Einzige ersichtliche Problematik: wie soll man so etwas großartiges, vielfältiges und gewaltiges wie das Meer in nur 4.500 Zeichen pressen?

Aber das ist jetzt eher Euer Problem und damit heißt es: Salz auf die Lippen, Sand in die Socken und ran an die Tasten! Zu gewinnen gibt es:

1. Preis: eine Reise nach Hamburg, zu “Ankerherz im Hai”, Verlagsbesuch und Übernachtung in Hollenstedt

2. Preis: Ankerherz Hoody

3. Preis: ein Buch nach Wahl

Die drei schönsten Geschichte werden nach dem Einsendeschluss am 01.06.2015 vom Ankerherz Verlag und Nina Merks ausgewählt.


Die Top 75 Influencer der Buchbranche:

Bereits 2013 und 2014 zählte Johannes Haupt (lesen.net) einflußreiche Online-Menschen der Buchbranche auf und auch in diesem Jahr stellt er 75 (24 Frauen / 51 Männer) twitternde und facebookende Literaten vor (und nominiert sich im Übrigen auch gleich selbst):

Gelistet haben wir aktive Social-Media-Accounts von Menschen, die auch über die Vermarktung ihrer eigenen Produkte hinaus etwas zu sagen haben, von denen Mitlesende also profitieren können. Dies war ein Ausscheidungskriterium vor allem bei zahlreichen (Indie-)Autoren, die über die sozialen Netzwerke oft eine Werbebotschaft nach der anderen absetzen und damit allenfalls für ihre bestehende Fangemeinde lesenswert sind.

Sortiert werden die Influencer in „Blogger, Bescheidwisser, Journalisten“, „Autoren“, „Wissenschaft, Verband, Lehre“, „Deutsche Startups, Dienstleister“, „Verlagsmenschen“ sowie „Handel und Industrie“. Diese Auswahl ist rein subjektiv und weder nach tatsächlichem Einfluß, noch nach Größe der Accounts sortiert. Trotzdem sind hier viele tolle und vielseitige Menschen aus dem Buchbetrieb zu finden, von denen der ein oder andere Leser sowie Autor sicherlich hilfreichen Nachschub für den Feedreader erhält! Jetzt stöbern!


Literatur zum Muttertag – kreative Buchgeschenke:

cardsEs wird kaum einem aufgefallen sein (die Werbebranche ist da leider sehr zurückhaltend), dass wir am heutigen Sonntag den Muttertag feiern. Wer deswegen jetzt auf die Schnelle noch ein Geschenk braucht oder generell Schenktipps rund ums Buch sammelt, dem sind die literarisch wertvollen Vorschläge von Bookriot empfohlen – die Bücherblume sowie die Glückwunschkarten können nämlich auch heute noch fix nachgebaut werden! Alternativ geht auch immer der deutschlandweit kauf- sowie verschenkbare Bücherscheck (nur leider nicht online – warum nur, warum?) sowie natürlich E-Book-Gutscheine der Onlinebuchhändler und mit den kleinen Kindern kann man auch fix ein persönliches Lesezeichen selbst basteln! So oder so – ich wünsche frohes gemeinsames Feiern!


Alles Gute für die neue Literaturwoche,

 

Eure Karla

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