Blogger in Leipzig – The Party is over

blogger_R165X0Die Party ist vorbei. (Wie auch Sibylle Berg schon festgestellt hat). Viele Leser, Autoren und Verlagsangestellten erholen sich an diesem Wochenende von den Auswirkungen der Leipziger Buchmesse. Zeit, um auszuschlafen, Wäsche zu waschen, Bücherstapel neu zu ordnen und vor allen Dingen Nachberichte zu lesen. Für viele Diskussionen sorgte die Premiere der hier ebenfalls besprochenen Bloggerintegration buchmesse:blogger, die noch nicht in allen Bereichen optimal von Verlagen sowie der Messe umgesetzt und gefördert wurde. Aber die erstmals eingerichtete Lounge bot Kaffee, Internet und einen ruhigen Platz für Interviews, viele Medien griffen die Kontakte auf und die Messe sammelte sämtliches Feedback für eine Verbesserung im nächsten Jahr ein. Insgesamt lässt sich also ein positives Fazit nachlesen und man ist gespannt, wie es in Frankfurt im Herbst weitergeht!

Alle Berichte der Bloggerpaten:

„The Party’s over. Danke, Leipzig“ von Thomas Brasch + „Was von der Messe übrig blieb“ von Sophie Weigand + „Nach der Messe ist vor der Messe“ von Antonia Ganzer + „Leipziger Buchmesse“ von Nicole Ackermann + „Leipziger Allerlei“ von Tobias Nazemi + „Kampf dem Messeblues“ von Christian Köhne + „Worte und Welten“ von Jan Haag + „Patenkind und Preisträger“ von Constanze Matthes + „Die Bloggerpaten“ von Heike Huslage-Koch + „Ein ärgerliches Missverständnis“ von Thomas Hummitzsch + „Bloggerpate“ von Tilman Winterling + „Und tschüss“ von Jacqueline Böttger + „Mein Messehighlight“ von Mara Giese + „Bücher, Eulen, Emotionen“ von Arndt Stroscher + „Ein Selbstversuch“ von Charlotte Lacroix +

Ebenfalls eine bemerkenswerte Aktion war auch in diesem Jahr die Leipziger Autorenrunde von und mit Leander Wattig (siehe Fotos). Wer nicht dabei sein konnte, kann manche der Inhalte nun aber auch nachträglich abrufen, wie z.B. die Vortragsslides von Wibke Ladwig zum Storytelling. Die Auswahl der Vortragenden sowie Themen war sehr vielseitig und eine Wiederholung in 2016 wurde bereits angekündigt – vormerken!


#Indiebookday – warum kleine Verlage Unterstützung brauchen

Am 21. März war #Indiebookday und diese im Jahr 2013 eingeführte Tradition konnte auch gestern immer mehr Leser für die literarische Vielfalt begeistern. Warum das wichtig ist, das erklärt Gründer (und Mairisch Verleger) Daniel Beskos im WDR 3 Interview.
Leser, Blogger, Autoren und Buchhandlungen engagierten sich für unabhängige Verlage und posteten ihre erworbenen Bücher entweder unter dem Hashtag #Indiebookday in den sozialen Netzwerken sowie auf ihren Blogs oder in der offiziellen Veranstaltung auf Facebook. 

Eine Auswahl an Blogbeiträgen zum #Indiebookday: „Indie, sweet Indie“ von Wibke Ladwig + „Buch- und Verlagstipps für den Indiebookday“ von Stefanie Leo + „Indiebookday auf Herzdamengeschichten“ von Maximilian Buddenbohm + „Ein Tag für die Indies“ von Mischa Klemm „Indiebookday 2015“ von Mara Giese + „Indiebookday“ von Caterina Kirsten + „Indiebookday“ von Isabel Bogdan + Video & Interview zum Indiebookday von Denise Jeske „Ausnahmen bestätigen die Regel“ von Ilja Regier + „Buchschätze aus unabhängigen Verlagen“ von Sandra Wolf + „Zeigt her Eure Bücher“ von litaffin + „Happy Indiebookday 2015“ von Lisa Volkenandt + „Heute ist Indiebookday“ von Cara Berg + „Shop ‚til you drop“ von Bettina Schnerr


Welttag des Buches 2015

11007739_968617456496798_3554701711313325407_nKaum ist der Indiebookday vorbei, dürfen wir uns auf den kommenden Welttag des Buches am 23. April freuen! Zur Feier des gestrigen Tages hatte die Buchhändlerin Dorothee Junck aus Köln eine fabelhafte Idee: Sie lud Leser zu einem Indie-#BookupDE in ihren Laden, ließ sie Leseempfehlungen auf Karten schreiben und diese wurden per Luftballons in die freie Welt entlassen! Vielleicht könnte dies am kommenden Welttag in möglichst vielen Buchhandlungen, Bibliotheken und Verlagen wiederholt werden – für einen Himmel voller Literaturtipps?

Die „Aktion Buch“ bereitet sich mit der „Aktion Herzbuch“ ebenfalls auf dieses wichtige Datum vor und lädt Leser dazu ein, dass sie Selfies mit ihrem Lieblingsbuch machen und auf ihrer Website hochladen. Man kann selbst mitmachen oder einfach durch die bisherigen Tipps stöbern! Noch besser wäre es natürlich, wenn man nicht direkt auf die Website gehen muss, sondern diese Aktion auch jedes auf Facebook, Twitter und Instagram mit #Herzbuch getaggte Bild versammelt.


World Poetry Day – Lyrik für alle

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Felix Wegener auf Lyrik-Suche

Gestern war nicht nur Indiebookday, es war auch World Poetry Day und dieser soll uns daran erinnern, mal wieder Lyrik zu lesen und unsere Lieblingsgedichte aus dem Regal zu holen. Cooler nennt sich das inzwischen „Poetisiert Euch!“. Vielen ist Lyrik zu gewaltig, unverständlich, zu weit von der durchschnittlichen Literatur entfernt. Wie wäre es denn als Einstieg mit einem kostenlosen Gedicht am Tag? Das gibt es z.B. auf dem Gedichtblog! In den USA konnte man gestern bei einer speziellen Kaffeekette sogar mit einem eigenen Gedicht bezahlen – in Deutschland gibt es bisher kein vergleichbares Projekt:


Literatur gegen Depressionen

Die FAZ berichtet diese Woche in einem ausführlichen Interview mit Andrea Gerk von der „Bibliotherapie“, d.h. der wunderbaren Kraft der Heilung, die von Literatur ausgehen kann. Diese ist auch wissenschaftlich erwiesen, d.h. es ist genau verfolgt worden, was beim Lesen im Gehirn passiert.
Der Rhythmus, der Klangfaktor ist enorm wichtig. Neurowissenschaftlich erwiesen ist, dass wir, auch wenn wir still lesen, die Worte hören. Als hätte man einen kleinen Mann im Ohr, der einem die ganze Zeit die Texte vorliest. Vielleicht sind die Dichter in diesem Sinne wirklich Sänger in finsteren Wäldern.
416V-3492pL._SY344_BO1,204,203,200_Passend dazu hat der britische Autor Matt Haig sein neues Buch „Reasons to stay alive“ veröffentlicht. Wie viele andere Schriftsteller bekennt auch er sich inzwischen öffentlich zu seinen Depressionen, die ihn mit Mitte Zwanzig fast das Leben gekostet hätten. Aus einem Blogbeitrag über das Thema ist ein ganzes Buch geworden und die Aufmerksamkeit hilft nicht nur ihm, sie hilft vor allen Dingen auch vielen anderen Menschen, die sich mit dieser Krankheit weniger allein und stigmatisiert fühlen und gibt ihnen viele gute Gründe an die Hand, warum das Leben lebenswert ist. In einem Interview mit dem „Telegraph“ gibt Matt Haig an, warum Literatur für ihn so eine große Rolle spielt:

Every time I read a great book I felt I was reading a kind of a treasure map, and the treasure I was being directed to was, in actual fact, myself. But each map was incomplete, and would be complete only if I read all the books, and so the process of finding my best self was an endless quest.

One cliché attached to bookish people is that they’re lonely, but for me books were a way out of being lonely. In my deepest state of depression I felt trapped in quicksand, but books were about movement, quests and journeys. They were about starting new chapters and leaving old ones behind. And because I’d only recently lost the point of words and stories altogether, I was determined never to feel like that again.

I used to sit with the bedside lamp on, reading for hours until my eyes were dry and sore. I was always seeking, but never quite finding, despite feeling tantalisingly close.

 

Passend dazu auch die Rezension „Positiv denken mit Franz Kafka“:

Auch wenn man wahrscheinlich irgenwann abstürzen wird, man darf niemals aufhören, die Treppen hinaufzulaufen, man darf niemals aufhören, offen für Veränderungen zu sein: man darf niemals stehen bleiben. Es genügt nicht, sich irgendwie bequem einzurichten, es muss immer weitergehen.


Alte Bücher werden zu neuer Kunst 

Der Künstler Brian Dettmer macht aus alten Büchern wundervolle neue Kunstwerke. Wie und warum er das macht, das erklärt er in diesem sehenswerten TED Talk:


Erste deutsche Selfpublisherin knackt Millionen-Grenze

Herzlichen Glückwunsch an die deutsche Autorin Poppy J. Anderson! Die Schriftstellerin veröffentlicht ihre Romane selbst sowie beim Rowohlt Verlag und hat bis Mitte März über eine Million Titel verkauft. Im Buchreport erschien ein kurzes Interview mit ihr über ihre Erfahrungen im Einzelkampf sowie bei einem Verlag:

RTEmagicC_Poppy_AndersonIch habe die Erfahrung gemacht, dass der Verlag eine höchst professionelle Institution ist, in der alle Ressorts ineinander greifen. Lektorat, Cover, Marketing und Vertrieb arbeiten dort Hand und Hand. Man weiß einfach, was man tut. Als Selfpublisher hingegen ist man einem andauernden Lernprozess unterworfen und muss erst einmal herausfinden, was funktioniert. Viele Kniffe, Techniken oder fundamentales Wissen müssen angeeignet werden. Anfangs sind zudem keine Netzwerke vorhanden. Andererseits ist das Selfpublishing freier und weniger reglementiert. Spontane Entscheidungen oder kurze Abstände zwischen den Veröffentlichungen stellen kein Problem dar. Der Selfpublisher besitzt zwar für sein Gesamtwerk die volle Verantwortung, jedoch auch die absolute Freiheit. Und er hat die gesamte Arbeitsbelastung, die nicht zu unterschätzen ist, da Selfpublishing im großen Stil ein Vollzeitjob ist. Veröffentlicht man dagegen bei einem Verlag, bedeutet dies eine enorme Entlastung.


Kostenlose E-Books in der U-Bahn

3043197-slide-1b-this-beijing-subway-line-now-has-a-library-of-free-e-books-for-passengersVom E-Book-Boom kann inzwischen keine Rede mehr sein, es geht eher langsam voran und meistens wird nur das gelesen, was eh schon gedruckt auf den Bestsellerlisten steht. Wie und wo erreichen wir also diese digital affine Zielgruppe und bringen sie dazu, dass sie spontan auch mal andere Literatur auf den Reader lädt? In der U-Bahn in Beijing wurden nun Plakate angebracht, auf denen man über den QR-Code kostenlos Literatur laden und lesen kann. Kuratiert und installiert wurde diese Aktion von der Chinesischen Nationalbibliothek und die Auswahl von zehn Titeln wechselt alle paar Monate!


Holtzbrinck und Weltbild verkaufen über Amazon

Es gibt eigentlich keinen Verlag, der im Onlinegeschäft auf den Branchenriesen Amazon verzichten will und vor allen Dingen kann. Dennoch gibt es immer mehr Alternativen, die man nutzen und unterstützen sollte, dazu gehört z.B. die E-Book-Boutique Minimore, das Portal Buchhandel.de und im Juni soll Indiebook.de starten. Trotzdem setzen die größten Mitspieler auch aktuell wiederholt und sogar teilweise allein auf Amazon, die Gründe dafür sind unklar bzw. nicht nachvollziehbar.

Johannes Haupt berichtet auf lesen.net davon, dass Weltbild.de in seinem neuen Shop das Leseproben-Widget von Google nutzt. Dieses verlinkt aber innerhalb auf eigene Verkäufer – ganz oben wird da Amazon gelistet und Weltbild selbst kommt erst am Schluss.

Ein direkter Kauf aus der Leseprobe heraus liegt nahe, nicht umsonst gibt es bei Amazon.de innerhalb jeder Leseprobe gleich mehrere Kaufen-Links. Bei deutschen Stores wie eBook.de und Thalia gibt es in der Regel einen einzigen “Kaufen”-Button, der – natürlich – in den eigenen Store geht. Dass Weltbild die Besucher seiner eigenen Website zum Kauf auf Amazon.de verweist, ist angesichts der aktuellen Situation eher traurig als amüsant und ein absolutes Armutszeugnis für die Online-Ambitionen der Buchhandelskette.

 

Inzwischen hat Weltbild diesen Fehler behoben und alle anderen Shopverlinkungen entfernt.

Bildschirmfoto 2015-03-22 um 13.38.36Die Holtzbrinck-Plattform LovelyBooks.de bietet nicht nur Leserunden und Gewinnspiele an, Leser können auf den automatisch zu jedem erschienenen Buch vorhandenen Seiten auch Rezensionen und Kurzbewertungen hinterlassen sowie den jeweiligen Titel kaufen. Dies war bisher über Amazon möglich, aber bis vor zwei Jahren auch über das hauseigene Shopprogramm. Dort konnten sich Buchhändler kostenlos eintragen lassen, auf die dann verlinkt wurde.

Neuerdings hat die Plattform den Kaufen-Button inkl. Amazon-Logo viel  prominenter platziert und bietet leider keine anderen Partner als Alternative. Ob die lokalen Buchhändler wieder bzw. die branchenweite Lösung Buchhandel.de integriert werden, darüber gibt es bisher keine Aussage.


KiWi-Leaks – Insiderinformationen aus Köln

Bildschirmfoto 2015-03-22 um 12.54.48Immer wieder erschüttern Insiderinformationen die internationalen Nachrichten – da werden Geheimnisse der CIA gelüftet, Finanzskandale aufgedeckt und nun ist die Buchbranche dran, eigentlich war es nur eine Frage der Zeit! Wirklich erschütternd ist an den kommenden Details vor allen Dingen, dass der Verräter aus dem betroffenen Verlag selbst stammt und die Informationen auf dem hauseigenen Blog veröffentlicht hat: KiWI Leaks!

Vielleicht ist dies nur der erste Verlag von vielen, die solche Geständnisse bringen – es wäre der Branche zu wünschen!


Alles Gute für die neue Literaturwoche,

 

Eure Karla