Heidenreich & Kollegen - neues Literaturpaar im TV

Wir erinnern uns: im letzten Herbst gab es einige Unstimmigkeiten zwischen Elke Heidenreich und dem ZDF. Deswegen wurde die Zusammenarbeit beendet und Heidenreich samt “Lesen!” gibt es jetzt bei LitColony oder im Podcast zu sehen (oder bei Stern Online zu lesen). Aus der anfänglich so sympathischen Sendung mit Gast und ein bisschen Plauderei wurde jetzt eine wöchentliche Buchvorstellung. Hoffentlich wird das nicht bald auch noch weg gekürzt, mir hat Elke auf meinem I-Pod nämlich sehr gut gefallen und es war soviel praktischer als im ZDF.
Dort soll es jetzt ein neues Literatur-Traumpaar geben, nämlich Autorin Amelie Fried und den Journalisten Iljoma Mangold. Ab 10. Juli startet die neue Sendung “Die Vorleser”, das Konzept muss sich wohl erst noch entwickeln und meine Sympathie dazu auch. Obwohl ich für jegliche Büchersendung dankbar bin, kann ich mich mit dem Ersatz noch nicht so richtig anfreunden, habe es ja aber auch noch nicht gesehen.
Aufgrund dieser neuen Sendung haben Mangold und Fried jetzt den Bertelsmann Autorenbeirat verlassen, ansonsten könnte es “Interessensüberschneidungen” geben - eigentlich nachvollziehbar. Fragwürdig ist dann aber, dass neben Richard David Precht auch Susanne Fröhlich neues Beiratsmitglied wird, die ja ebenfalls eine Literatursendung (“Fröhlich lesen”) hat. Kann Frau Fröhlich eher neutral sein oder wird ihre Meinung einfach nicht so ernst genommen?
Könnte mal bitte jemand auch eine Literatursendung für junge Menschen bzw. alternative Zielgruppen (und damit meine ich jetzt nicht Kinder) entwickeln? Wer sich “Druckfrisch” etc. ansieht, bei dem besteht doch schon ein Interesse an Literatur und an den gezeigten Autoren - und wer nimmt sich ausser Elke auch mal den älteren Bücherschätzen an? Die bisherigen TV-Formate fördern Bücher, die es längst nicht mehr nötig haben und machen mit Auftritten von Bestsellerautoren eher Werbung für sich selbst, als für die Literatur an sich. Meistens gibt es da auf den Verlagsseiten bessere Interviews zu sehen/hören und das ist wenigstens ehrlich als Werbung dargestellt. Schade, weiterhin gute Gründe um den Fernseher auszulassen - wobei ich sowieso nur die Podcastformate verfolge, die spärlichen und recht unregelmässigen Fernsehtermine kann und werde ich mir nicht merken.
P.S.: Der bisher von mir so geschätzte Wolf Schneider hat jetzt auch eine Videokolumne, nämlich bei der SZ. Er soll bei “Speak Schneider” den Zuschauern und vielleicht auch der SZ selbst eine bessere Grammatik vermitteln, sagt aber im Interview übers Internet: “da wird eine Menge fröhlichen Unsinns, grober Irrtümer oder vorsätzlicher Fehldarstellungen produziert. Im Journalismus findet das nicht oder höchstens ausnahmsweise statt.” Aha, da hat der Herr Schneider wohl das Bildblog noch nicht entdeckt.

6 Responses to “Heidenreich & Kollegen - neues Literaturpaar im TV”


  1. 1 drikkes Mai 14th, 2009 at 09:36

    “Susanne Fröhlich ernst nehmen” - der war gut.

  2. 2 Lilly Mai 15th, 2009 at 12:30

    Dass lesen! auf litcolony in der altbekannten Form weggefallen ist ist, finde ich auch nicht so prickelnd. Für die drei Minuten in der Woche lohnt es sich doch garnicht mehr überhaupt noch den Playknopf zu drücken. *grml*

    Bei der Sache auf ZDF bin ich auch erstmal skeptisch. Ich meine, wenn sie Marcel Reich-Ranicki mit Gästen da hingesetzt hätten, dann wäre zumindest der Unterhaltungswert gegeben.
    Aber so ein Moderatorenpaar erinnert mich ans Frühstücksfernsehen und an aufgesetzte gute Laune.

    Mit der Auswahl der Bücher kann ich Dir auch nur zustimmen. Hin und wieder mag zwar etwas neues dabei sein, aber meist werden ja nur die Bücher besprochen, die sowieso schon für Wirbel gesorgt haben.
    Ich denke bei Heidenreich wird sich das so schnell nicht ändern - immerhin ist sie ja jetzt dafür verantwortlich, dass der Buchabsatz auf litcolony und bei Thalia stimmt.

  3. 3 mediokra Mai 15th, 2009 at 14:43

    Ich würde mich auch freuen über eine Sendung, in der mal nicht zum 100. Mal der neue Kehlmann vorgestellt wird. Gerade kleine Verlage, die Literatur abseits vom Mainstream verlegen, geraten oft ins Hintertreffen, weil sie nicht die PR- und Marketingmacht der großen haben.

    Die Sendezeiten finde ich übrigens, egal ob Druckfrisch oder die neue Sendung, sehr bescheiden. Aber ein besserer Sendeplatz ist Literatur den TV-Verantwortlichen wohl nicht wert.

  4. 4 Karla Mai 15th, 2009 at 16:27

    @Lilly: Ja, diese Frühstücksfernsehen-Befürchtung habe ich eben auch. Man nehme eine blonde Bestsellerautorin für die Herzschmerzschichten und dann den intelektuellen Literaturkritiker für die Ranicki-Fraktion, mische das mit einem bereits bekannten Titel und guter Laune etc. - meine Vorurteile sind furchtbar, ich weiß! Aber darüber kann man sich ja auch noch nach der Sendung mal unterhalten, ich lasse mich gerne eines Besseren belehren!

    @mediokra: Eben wegen diesen Sendezeiten höre ich nur Podcasts. Aber man wird gegen diese Einschaltquoten wohl nie ankommen. Deswegen werde ich immer für Elke Heidenreich sein, weil sie da wenigstens mal was erreicht - und jetzt im Internet wieder verloren hat. Man sehe sich z.B. mal Oprah Winfrey an, die in den USA mit ihrem Buchclub Millionen erreicht und auch dementsprechend Bücher verkauft. Sie hat Menschen zum Lesen gebracht, die vorher weit um eine Buchhandlung herum gegangen sind - sowas brauchen wir doch mal!

  5. 5 Hedoniker Mai 18th, 2009 at 11:50

    @mediokra: Denis Scheck hat mal in einem Interview auf die Frage nach dem Sendeplatz sinngemäß geantwort: Ich hab die Vermutung, der späte Sendeplatz liegt darin begründet, dass eben doch mehr Leute den Tatort sehen wollen als “Durckfrisch”.

    @Karla: “Lesen!” war die letzte Sendung, die koninuierlich Bestseller produziert hat, alle anderen Literatursendungen “verkaufen” kaum Bücher. Auch eine Kritik in der FAZ oder der SZ verkauft kaum Bücher und produziert keine Bestseller. Wenn du heute über das Fernsehen einen Bestseller lancieren willst, dann geh zu Stefan Raab.
    MTV hat übrigens vor vielen Jahren mal den Versuch unternommen, eine Buchsendung für die MTV-Zielgruppe zu produzieren. moderiert hat damals Benjamin von Stuckrad-Barre, die Sendung war sehr krawallig und unterhaltsam, vor allem aber war sie erfolglos.

  1. 1 Neue Literatursendung im WDR: “west.art Bücher” at Buchkolumne Pingback on Sep 6th, 2009 at 11:38

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