Buchkolumne 06/15: Das Comeback von Harper Lee, preisgekrönte Autoren sowie mehr Motivation, Muße und Schuld für alle

Comeback von Harper Lee

Nachtigall50 Jahre nachdem aus dem amerikanischen Roman „Wer die Nachtigall stört“ ein Bestseller wurde, soll nun ein zweiter Teil erscheinen – der eigentlich ein Vorgänger ist. Autorin Harper Lee hatte diesen längst geschrieben und dann ging er verloren. Eine Freundin von ihr fand das Manuskript zu „Go set a watchman“ nun wieder und es soll im Juli mit mit einer Startauflage von 2 Millionen Stück erscheinen, wie der Stern berichtet. Ob der Roman in Deutschland wie der Vorgänger ebenfalls beim Rowohlt Verlag veröffentlicht wird, ist noch nicht bekannt.


Andreas Eschbach über Spannung

Autor und Textexperte Hans Peter Roentgen führt auf seiner Website auch Interviews mit anderen Schriftstellern – zum Beispiel mit Andreas Eschbach. Mit ihm hat er sich sehr ausführlich und interessant über Schreibtechniken und seine „sechs Stellschrauben für Spannung“ unterhalten. Lesetipp!

Ich bin an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit, in bestimmten Umständen – aber ich weiß nicht, was nun passieren wird. Ich bin in Schwierigkeiten – aber ich weiß nicht, wie ich aus diesen Schwierigkeiten herauskommen werde. Wobei das »ich« in diesem Fall natürlich durch die Identifikation des Lesers mit der Figur erzeugt wird; die Figur ist es, die in Schwierigkeiten ist, aber als Leser erleben wir es so, als seien wir es selber. Nur in einem kleinen Winkel im Hinterkopf wissen wir, wir sind es nicht wirklich – nur deshalb können wir die Lektüre überhaupt als Genuss empfinden.

 


Fritz J. Raddatz über Muße

Ebenso lesenswert wie das Gespräch mit Eschbach ist ein Interview mit dem ehemaligen Feuilleton-Chef der „Zeit“ und stellvertretenden Leiter des Rowohlt Verlags Fritz J. Raddatz in der Frankfurter Rundschau. Neben ausführlichen und klugen Gedanken über die aktuelle Literaturbranche hat mir besonders der folgende Absatz gefallen. Er erinnert daran, endlich wieder mehr Raum für Kreativität zu schaffen:

Muße erfordert Kraft. Zur Muße muss man sich erziehen, man muss sie lernen. Durch Lektüre, durch die drei, vier oder gar fünf Sätze einer Symphonie, durch die genaue Betrachtung einer Zeichnung. Wenn Sie das ohne Muße aufnehmen, haben Sie es nicht aufgenommen. Hetzen lässt man sich. Muße nimmt man sich. Muße ist die wahre Arbeit. Sie brauchen Muße, um sich Beethovens Violinkonzert anzuhören, und sie sollten sich die Zeit nehmen, zum Beispiel eine Schneiderhan-Einspielung mit der von Anne-Sophie Mutter zu vergleichen. Oder der von Dawid Oistrach. Kultur ist wesentlich Hinschauen, Hinhören, Vergleichen. Das ist die Arbeit der Muße.


Motivation per Knopfdruck

MotivatorNa – wer liest denn gerade diese Kolumne anstatt das nächste Buch zu schreiben? Erwischt! Wer ein bisschen Motivation nötig hat, der nutzt einfach den kostenlosen und schnellen Motivator von Ebookboss.de. Soeben für Euch getestet und es funktioniert tatsächlich, wenn hier jetzt eine fertige Kolumne steht!

Immer noch keine Lust aufs Schreiben? Dann bleibt noch Prokrastinationszeit für den Namensgenerator für neue Protagonisten oder auch am Ende des Romans für den Klappentextgenerator! Jetzt aber – naja, siehe Grafik!


Preisgekrönt – Leipzig und das Syndikat

PR-PLBM-Nominierte-2015-2-2_R100X0Zwei Nominierungslisten wurden diese Woche veröffentlicht. Aus Leipzig kam die heiß ersehnte Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse und fünfzehn Autoren finden sich nun auf den Listen für Belletristik, Sachbuch/Essayistik sowie beste Übersetzung wieder. Besonders die letzte Kategorie bringt Aufmerksamkeit für eine sonst eher zu wenig erwähnte Sparte in der Buchbranche. Der Spiegel hat sich die möglichen Preisträger einmal genauer angesehen. Eine Jury entscheidet nun, wer am 12. März den mit insgesamt 60.000 Euro dotierten Preis erhält.

Ebenso hoffen dürfen die Nominierten, die auf der vom Syndikat veröffentlichten Liste für den mit 5.000 Euro dotierten Friedrich-Glauser-Preis für deutsche Kriminalliteratur stehen. Mechthild Borrmann („Die andere Hälfte der Hoffnung“), Kai Hensel („Sonnentau“), Tom Hillenbrand („Drohnenland“), Stephan Kaluza („30 Keller“) und Till Raether („Treibland“) müssen sich bis zur Criminale Ende April für die offizielle Bekanntgabe gedulden.


Ein Besuch bei Kiepenheuer & Witsch in Köln

Immer mehr Verlage ermöglichen Bloggern einen Blick hinter die Kulissen. Nachdem zum Beispiel Mareike und Mara mich im letzten Jahr bei Hoffmann und Campe besuchten, der Hanser Verlag einlud und Piper ein #Bookup veranstaltete, hat Bücherliebhaberin Vera nun den KiWi-Verleger Helge Malchow zum Gespräch getroffen:

Copyright: Vera / Bücherliebhaberin-Blog
Copyright: Vera / Bücherliebhaberin-Blog

Seine Bekenntnis “Ich bin kein Bücherfetischist” schockierte mich dann aber doch! Und wirklich waren in seinem Büro mehr Plakate als Bücher zu sehen. Die Lektüre, die ihm am meisten gefällt, verschenke er sofort weiter, denn sie müsse ja schnellst möglich von weiteren Menschen gelesen werden. Seine private Bibliothek sei daher von zahlreichen Lücken gekennzeichnet. Lücken, die auf gute Literatur verweisen.

 

Solche Besuche bieten den Verlagen eine gute Möglichkeit um ihrer Marke ein Gesicht zu geben und ihre Leidenschaft für Literatur an die Leser zu vermitteln – bitte mehr davon!


Die Nacht der schlechten Texte

Der Verein WORT-WERK führt heuer zum zehnten Mal den Villacher Literaturpreis

Die Nacht der schlechten Texte“ durch.

Im Gegensatz zu anderen Literaturwettbewerben, wo der Autor gefordert ist, den bestmöglichen Text zu schreiben, soll im Villacher-Literatur-Wettbewerb eine Positionsverschiebung stattfinden. Den „schlechtesten“ Text zu verfassen, stellt für die AutorInnen eine ungewöhnliche Herausforderung dar.

 

Wer sich angesprochen und herausgefordert fühlt, der kann seinen Text noch bis Ende Mai bei Wort-Werk.at einreichen. Kreative Idee, unterhaltsame Ausschreibung und man kann 700 Euro gewinnen. Wer ist noch dafür, dass die Livelesung der Finaltexte im Stream übertragen wird?


Selfpublisher-Verband feiert Gründung

Selfpublisher-VerbandAm Dienstag wurde in Frankfurt im „Haus des Buches“ des Börsenvereins der Selfpublisher-Verband gegründet. Dieser setzt sich für die spezifischen Interessen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren ein, die verlagsunabhängig publizieren. Noch fehlt die offizielle Eintragung ins Amtsregister – dies ist aber nur eine Zeitfrage. Auf der Website kann man sich bereits informieren. Es ist ein weiterer Schritt zur Professionalisierung und der Verband kann sicherlich in vielen Bereichen eine hilfreiche Unterstützung sein. Der Vorsitzende Matthias Matting hat sich bereits seit Jahren mit seiner Selfpublisherbibel einen Namen gemacht und gilt als Experte für Selbstveröffentlichung. Auch das Börsenblatt berichtet über die Gründung:

„Bei uns werden nicht nur alte Hasen, sondern auch Neueinsteiger willkommen sein, die bisher noch kein Werk veröffentlicht haben, es aber planen. All denen stehen wir mit Rat und Tat zur Seite, um den Selfpublishern eine Stimme zu geben“, so das Versprechen.


Moleskine – vom Notizbuch zum iPad aus Papier

NotizbuchNicht nur Hemingway war großer Fan der berühmten Moleskine Notizbücher – wahrscheinlich Tausende Autoren weltweit nutzten und nutzen diese für ihre tägliche Arbeit. Aber das Traditionsunternehmen ruht sich nicht auf seinem Erfolg aus, sondern hat eine tolle Ergänzung für Kreative auf den Markt gebracht. Wenn man mit dem speziellen Livescribe Stift auf das Livescribe Notizbuch mit speziellem Punktrasterpapier schreibt, dann werden diese Inhalte direkt per Wifi in eine App übertragen – der Stift kann neben schriftlichen Anmerkungen oder Zeichnungen aber ebenso Audioaufnahmen speichern. Neben der wie immer etwas teureren Variante von Moleskine bietet auch die Firma Livescribe selbst Notizbücher für den Stift an, so dass man je nach Version im Gesamtpaket auf 150-200 Euro kommt: Wunschzettelfüllmaterial!


Ungewöhnlichster Buchtitel 2014 gesucht

WasliestDu„Die Werte der modernen Welt unter Berücksichtigung diverser Kleintiere“, „Mit Kant-Zitaten zum Orgasmus“ oder „Die finanziellen Abenteuer des talentierten Poeten“ – die Literaturcommunity Was liest Du? der Mayersche Buchhandlung (knapp 10.000 Mitglieder) lässt aktuell für den „Ungewöhnlichsten Buchtitel 2014“ abstimmen. Von über 1.000 Einsendungen landeten 50 auf der Longlist, aus dieser wiederum können die Leser zehn Titel in die Shortlist wählen – die Sieger werden dann gemeinsam von der Community und einer Buchbranchen-Jury bestimmt! Mitmachen & Buchpreise gewinnen!


Trailer-Tipp: der Tag, als meine Frau einen Mann fand

Man könnte sich nun lang darüber auslassen, was einen Buchtrailer sehenswert macht. Im Gegenteil zum Filmtrailer (dem Sebastian Fitzek mit „Passagier 23“ schon recht nahe kommt) meist recht wenig, weswegen er sich oft als letzter Ausweg verzweifelter Marketingmenschen wiederfindet und nach dem Vorzeigen beim stolzen Autor in den ewigen Jagdgründen des YouTube-Kanals endet. Der Hanser Verlag hat für den neuen Roman von Sibylle Berg ein verstörendes Video präsentiert, welches aber perfekt zu Autorin (Lieblingsbuchtipp: „Der Mann schläft“) und Buch passt und deswegen schon fast 5.000 Aufrufe generiert konnte. (Aber warum hat man die Kommentarfunktion auf YT deaktiviert?)

Wo wir gerade beim Hanser Verlag sind – die haben die Website schön und dort einen Buchhandelsfinder. Da kann man nicht nur nach dem Händler vor Ort suchen, sondern sich auch jederzeit als solcher eintragen lassen!


Schuld_ZDFZum Schluß nach dem Trailer- noch einen Filmtipp! „Schuld“ von Ferdinand von Schirach (Piper Verlag) wurde mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle als Serie verfilmt und ist ab 20. Februar im ZDF zu sehen. Aber bereits jetzt kann man sich alle Folgen kostenlos in der Mediathek ansehen und sie sind, wie ich finde, sehr gelungen!


 

Kommt gut in die neue Literaturwoche,

 

Eure Karla

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